Kategorien
Allgemein

Die besten Krimis des Jahres 2014

Die besten Krimis des Jahres: Auch 2014 hatte ich wieder viel „Material“ in den Händen – und es war wieder  einige raußergewöhnlich gutes und spannende Bücher dabei. Deshalb auch in diesem Jahr wieder ein Überblick über die meiner Meinung nach gelungensten Krimis und Thriller. Die mittlerweile schon fast traditionelle Top-5-Liste der Spannung.

Tom Hillenbrand: Drohnenland

Eine düstere Zukunftsvision, die eigentlich alle Schreckenszenarien abhandelt. Überwachungsstaat, Korruption, Herrschaft der Konzerne, Klima-Katastrophe Tom Hillenbrand verwendet die ganz großen Themen als perfekte Kulisse für einen gelungenen Kriminalroman – der noch lang ein Erinnerung bleibt.

Tom Hillenbrand, Drohnenland, KiWi, 423S., April 2014

Rosa Ribas, Sabine Hofmann: Das Flüstern der Stadt

Ein bedrückendes Stück Zeitgeschichte arbeitet das deutsch-spanische Autoren-Duo in „Das Flüstern der Stadt“ auf. Barcelona unter der Knute der Falangisten der Franco-Ära in den fünfziger Jahren ist die heimliche Hauptdarstellerin in einem intelligent erdachten Krimi mit sympathischen „Ermittlerinnen“.

Rosa Ribas, Sabine Hofmann. Das Flüstern der Stadt, Kindler, 512S. 29. August 2014

Jochen Frech: Hochsommermord

Vergleichsweise unspektakulär kommt „Hochsommermord“ daher, ein Kriminalroman geschrieben von einem Polizisten. Gerade weil das Debüt von Jochen Frech nicht versucht, mehr zu sein, als ein solider, unterhaltsamer Krimi, ist es so sympathisch. Frech schafft das Kunststück, Wohlfühlatmosphäre und spannende Krimihandlung zu verknüpfen.

Jochen Frech, Hochsommermord, btb, 318S., Januar 2014

Elisabeth Elo: Die Frau, die nie fror.

Die surrealste Idee des Krimi-Jahres hatte Elisabeth Elo. Die Amerikanerin stattete ihre Protagonistin nicht nur mit einer sehr komplexen Biographie sondern auch mit der Fähigkeit aus, kaltes Wasser gut zu vertragen. Das nutzt die Hauptfigur denn auch, um ein Verbrechen mitten im Nordatlantik aufzuklären. Klingt schräg? Ist aber gut gemacht.

Elisabeth Elo, Die Frau, die nie fror, Ullstein, 505 S., März 2014

Joakim Zander: Der Schwimmer

Wer verworrene Verschwörungstheorien mag ist bei Joakim Zander genau richtig. Der Schwede schreibt von den Missetaten eines US-Geheimdienstes, gedeckt durch finstere Gestalten in der EU-Bürokratie in Brüssel. „Der Schwimmer“ ist sehr spannend und sehr mitreißend. Die perfekte Lektüre für dunkle Winterabende.

Joakim Zander, Der Schwimmer, Rowohlt, 431S., 1. September 2014

Autor:

Kategorien
Neu

Ribas/Hofmann „Das Flüstern der Stadt“: unterhaltsame und ergreifende Krimi-Geschichtsstunde

Bei Verhören fackelt der Kommissar nicht lange. Wenn dem Polizisten eine Antwort nicht gefällt, setzt es einfach ein paar kräftige Ohrfeigen: Sollte ein Verdächtiger daraufhin immer noch nicht gestehen, werden eben drastischere Mittel eingesetzt. Eine hohe „Aufklärungsrate“ ist so garantiert. Klingt putzig? Ist es aber nicht. Die menschenverachtenden Mittel der Diktatur beschreiben die Autorinnen Rosa Ribas und Sabine Hofmann in ihrem Kriminalroman „Das Flüstern der Stadt“.

Rosa Ribas und Sabine Hofmann schildern eine Atmosphäre der Angst

Die Stadt, um die es geht, ist Barcelona, und zwar das Barcelona der frühen fünfziger Jahre. Damals herrschte in Spanien noch General Franco mit seinen faschistischen Falangisten. Die trachteten, die rebellische katalanische Metropole zu unterjochen und gingen dabei nicht eben zimperlich vor. Die Wahrheit spielte in jener Zeit kaum eine Rolle, schon gar nicht auf dem Polizeirevier.

Eher zufällige Ermittlungen durch eine Journalistin

In diese unfreie Umgebung stolpert eher zufällig die Journalistin Ana. Eigentlich ist sie für die Weltanschauung dieser Zeit geschlechtsgemäß „passend“ bei der Zeitung für Klatsch und Mode zuständig. Da der Kriminalreporter verhindert ist, schickt der Chef nach einem Mordfall die junge Frau auf die Wache, nicht etwa, weil er überbordendes journalistisches Interesse hätte, sondern weil die Berichterstattung von den Machthabern angeordnet wurde.

Es dürfte wenig überraschen, dass die junge Journalisten sich als weniger pflegeleicht erweist, als das alle Beteiligten erwartet hatten. Ana will ernsthaft berichten und recherchiert. Zusammen ihrer Cousine Beatriz, einer von den Herrschenden kalt gestellten Sprachwissenschaftlerin, stolpert sie über Beweise für ein – selbst nach Maßstäben der Falangisten – abscheuliches Verbrechen. Die Versuche, Wahrheit und Gerechtigkeit eine Chance zu geben bringen die beiden schnell selber in Gefahr.

Das Flüstern der Stadt, ein faszinierendes Buch

„Das Flüstern der Stadt“ ist ein faszinierendes Buch. Das liegt vor allem am Thema: Dass in Spanien bis weit in die siebziger Jahre ein Diktator mit eiserner Hand die Bevölkerung in Geiselhaft hielt, ist zwar kein Geheimnis, aber doch schnell aus dem Bewusstsein verschwunden. Rosa Ribas und Sabine Hofmann öffnen mit ihrem Kriminalroman ein Fenster in diese finstere Welt voller Unterdrückung und Gewalt. Allein deshalb lohnt es sich, ihren Kriminalroman zu lesen.

Eine Protagonistin, der man gerne folgt

Darüberhinaus ist ganz nebenbei ein schillerndes Portrait Barcelonas entstanden, das durch eine überaus sympathische Hauptfigur durchstreift wird. Der jungen Ana folgt man gerne bei ihren Versuchen, sich in einer männerdominierten und unfreien Gesellschaft durchzusetzen. „Das Flüstern der Stadt“ ist insgesamt so glaubhaft konstruiert, dass man über eine kleinere Schwäche (aus meiner Sicht ist es eine) hinwegsehen mag: Beide Autorinnen sind Literaturwissenschaftlerinnen und leben ihre Lust zu literarischen Querverweisen und Zitaten ein wenig zu großzügig aus: Das führt gelegentlich zu leichten Längen, die aufs Tempo drücken aber nicht wirklich stören: „Das Flüstern der Stadt“ ist – und das ist für mich ein echtes Qualitätsmerkmal – gleichermaßen lehrreich wie unterhaltsam.

Tatort: Barcelona

Barcelonas Altstadt ist eng und düster. Das passt als Tatort für einen Krimi natürlich beinahe perfekt. Rosa Ribas und Sabine Hofmann lassen in „Das Flüstern der Stadt“ ihre Leser glaubhaft am Leben in den Gassen und auf den Straßen teilhaben. Die Fülle, der Lärm und die Enge sind spürbar beschrieben. Sensationell ist die katalanische Nationalbibliothek als Schauplatz ausgewählt. Auch wenn die strengen Bibliothekare den Touristen vermutlich nicht in die wirklich großartigen Säle vorlassen werden, lohnt sich beretis ein Besuch im Innenhof im Gebäude aus dem 15. Jahrhundert. Hier ist es nur wenige hundert Meter von der dauervollen La Rambla entfernt, beinahe idyllisch ruhig. Und historisch bedeutsam ist der Bau, der einst Kranke beherbergte auch…

Rosa Ribas, Sabine Hofmann. Das Flüstern der Stadt, Kindler, 512S., 19,95€ VÖ: 29: August 2014

Autor: