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Die besten Krimis für dem Sommerurlaub 2013. Fünf Empfehlungen

Sam Eastland: Der Rote Sarg

Sam Eastland verlegt seine Kriminalromane in das Russland der Stalin-Zeit und kombiniert rund um seinen finnisch-stämmigen Sonderermittler Pekkala spannende Ermittlung und ein faszinierendes historisches Panorama. Ein Krimi mit höchstem Suchtfaktor
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Rose Gerdts: Morgengrauen

Dunkle Abgründe im beschaulichen Bremen. In „Morgengrauen“ führt Rose Gerdts ihre Ermittler bis nach Litauen und zu einem ungesühnten Kriegsverbrechen. Sehr emotional, sehr spannend und viel mehr als ein Regionalkrimi.
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Ian Rankin: Mädchengrab

John Rebus war schon beinahe weg vom Fenster, abgeschoben und kurz vorm Ruhestand. Jetzt hat Ian Rankin seinen verschrobenen Polizisten reaktiviert. Und das war eine seiner besseren Ideen. „Mädchengrab“ ist wieder schottische Krimiproduktion der Spitzenklasse.
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Ursula Poznanski: Blinde Vögel

Beatrice Kaspary ist bodenständig, sympathisch und eine energische und verdammt gute Polizisten, der man gern bei der Verbrecherjagd zusieht. Ursula Poznanski hat ihrer Salzburger Ermittlerin einen zweiten Fall spendiert, in dem es um so gegensätzliche Kulturtechniken wie Facebook und Lyrik geht. Beides hat die Österreicherin gekonnt verbunden.
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Jürgen Kehrer: Münsterland ist abgebrannt.

Jürgen Kehrer hat den durch das Fernsehen Deutschland-weit bekannten Wilsberg erfunden. Für „Münsterland ist abgebrannt“ bleibt er nur seiner Heimat treu: Das Personal ist neu. Kehrer schafft es eine unterhaltsame Leichtigkeit und spannende Fälle miteinander zu verbinden
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Bei Sam Eastlands „Der Rote Sarg“ darf das Leben nicht beim Lesen stören

Historisierende Krimis wanden immer auf einem schmalen Grat. Kritische Geister können Ihnen Geschichtsklitterung oder schweren Diebstahl an der erlebten Realität vorwerfen. Bei drei Autoren gibt es meiner Meinung keinen Zweifel an der Qualität. Das sind Philip Kerr mit seiner Serie um seinem preußischen Polizisten Bernie Gunther, Tom Rob Smith mit seinem KGB-Mann Leo Demidow und seit kurzem Sam Eastland mit seinem Sonderermittler Pekkala.

Der Rote Sarg, der zweite Band von Sam Eastland

„Der Rote Sarg“ heißt der zweite Band, den der unter Pseudonym schreibende US-Amerikaner Paul Watkins, jetzt vorgelegt hat. Um es kurz zu machen: Wie „Der Rote Zar“ ist auch der neue Kriminalromane schlicht großartig. Eastland/Watkins hat eines dieser Bücher geschrieben, die so spannend sind, dass man sich nur sehr ungern vom Leben beim Lesen stören lässt. Insofern ist „Der Rote Sarg“ eine Angelegenheit für ein süchtiges Wochenende.

Ermittlungen rund um eine Wunderwaffe

Worum geht es? In einer geheimen Testanlage stirbt unter mysteriösen Umständen der „Vater“ des Panzers T-34, der als Geheimwaffe die Kommunisten vor dem erwarteten Überfall durch die Nazis schützen soll. Stalin wittert Verrat und schickt seinen Sonderermittler, den kauzigen Finnen Pekkala als Ermittler in die Wälder. Pekkala stellt die richtigen Fragen, findet selbstverständlich den Täter und deckt so ganz nebenbei eine Verschwörung auf.

Ein gnadenlos herzerwärmender Ermittler

„Der Rote Sarg“ erhält seinen Reiz durch das atemberaubende Erzähltempo Eastmans, den hemmungslosen, aber klugen Einsatz realer Figuren der Zeitgeschichte wie eben Stalin oder den Zaren, zahlreiche Rückblenden und vor allem durch einen gnadenlos herzerwärmenden Ermittler.

Mitreißende Geschichten vom richtigen Leben im falschen

Bei der Einordnung des russischen Agenten kommt das eingangs erwähnte Trio, Bernie Gunther, Leo Demidow und Pekkala zusammen. Alle drei versuchen, ein richtiges Leben im Falschen zu führen, vom dem es ja heißt, dass es das nicht gibt. Kein Wunder, dass alle drei scheitern müssen. Aber vom Versuch in Unrecht und Gewaltherrschaft anständig zu bleiben, geht eine gewaltige Kraft aus, die den Leser beinahe automatisch dazu bringt, sich mit dem Protagonisten zu solidarisieren. Vermutlich löst auch das die Leselust aus: das der Leser zumindest geistig das Gefühl hat, auf der richtigen Seite zu stehen. Das im Hintergrund eine tragische Liebesgeschichte in der Kulisse abläuft, schadet vermutlich ebenfalls nicht.

Tatort:Moskau

Sam Eastland beschreibt das Russland der Ära zwischen den  Weltkriegen. Besonders genau ist er dabei nicht. Sein Moskau, sein Stadtplan, die Geografie bleiben eher vage.  Das macht aber nichts, da er die Stimmung, die man in jenen Jahren in dem weiten Land vermutet, sehr glaubhaft wiedergibt. Natürlich verwendet Eastland Klischees, vereinfacht stark, aber er schafft eben gleich ob Zarenpalast in St. Petersburg, dem stalinistischen Kreml oder der dörflichen Atmosphäre der Provinz ein emotional glaubhaftes Bild zu zeichnen. Auch deshalb funktioniert „Der Rote Sarg“ so gut.

Sam Eastland, Der Rote Sarg, Knaur, 367S., 9,99€, VÖ: Juni 2013

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Roter Zar: Ein Krimi rund um Revolution und die Romanows

Der letzte russische Zar als nachdenklicher Grübler voller Menschlichkeit, die Romanows als weitgehend durchschnittliche Familie und Joseph Stalin als Folterknecht, der bei Gefangenen ganz persönlich Hand anlegt. Dazu noch ein Supersonderermittler mit allen Befugnissen. Wenn man über das Personal von „Roter Zar“ nachdenkt, kommt man relativ leicht auf den Gedanken, dass das alles ein großer Unfug sein könnte.

Sam Eastland und sein finnischer Sonderermittler

Sam Eastland, so nennt sich der US-Autor Paul Watkins simpel in einem passend klingenden Pseudonym, hat einen neuen Krimihelden erdacht und in den russischen Revolutionswirren angesiedelt. Pekkala, so heißt der Mann, ist finnischer Abkunft, wachte einst also oberster Verbrecherjäger über das russische Zarenreich. Zehn Jahre nach der Revolution fristet er sein Dasein als Gefangener der Kommunisten in Sibirien – bis die neue Führung den ehemaligen Sonderermittler reaktiviert, um den Tod seines alten Dienstherren aufzuklären. Natürlich macht sich der lange Jahre gepeinigte allen Widrigkeiten zum Trotz sofort an die Arbeit. Er kann halt nicht anders. Er ist einer, der von der Suche nach der Wahrheit getrieben wird.

Ein Plot im Nebel der Geschichte

Eastland nutzt die zahlreichen Mythen, die sich um die Romanows, ihr Ende und ihr Erbe ranken und breitet einen Stoff aus, der mittlerweile soweit durch den Nebel der Geschichte verschleiert ist, dass Fakten und Fiktion weitgehend schmerzfrei zu einem zusammenfantasierten Plot vermischt werden können.

Wer sich „Roter Zar“ ohne kritisches historisches Bewusstsein nähert, wird jede Menge Spaß haben. Schließlich enthält der Krimi-Neuling alles, was in eine unterhaltsam-spannende Geschichte hineingehört. Ein exotischer Schauplatz, eine wild-mysteriöse Verschwörungstheorie um tatsächliche historische Ereignisse, ein raffiniert erdachtes Verbrechen und ein glaubwürdig-sympathischer Ermittler. Diese Mischung hat Sam Eastland gut zusammengefügt und wirklich unterhaltsam-spannend (wenn auch nicht immer logisch)  aufgeschrieben. „Roter Zar“ gehört zu der Sorte Bücher, in der man sich verlieren kann.

 

Tatort:Russland

Pekkala, der Held von „Roter Zar“ kommt herum. Aus seiner finnischen Heimat nach St. Petersburg und Moskau, später nach Sibirien und in die weiten russischer Provinz. Sam Eastland hat den Vorteil, dass er seinen Krimi knapp 100 Jahre in die Vergangenheit verlegt und deshalb natürlich über ein großes Maß dichterischer Freiheit hat. Er inszeniert, vermutlich durch den großen Erfolg der Russland-Trilogie von Tom Rob Smith inspiriert, ein düsteres, melancholisches Russland voller Weite, mit dichten Wäldern und unwirtlichen Ebenen. Natürlich gibt es prächtige Paläste, elendige Hütten und potjemkische Dörfer. Streng genommen könnte man sagen, Eastland verwurstet alle Klischees zu einem einfachen Gemälde. Wie das mit Klischees so ist, haben sie meist einen wahren Kern, deshalb wirkt Sam Eastlands Russland glaubwürdig, oder zumindest vertraut – und das vereinfacht den Lesefluss.

Sam Eastland: Roter Zar, Knaur, 380 S., 9,99€