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Patricia Cornwells Paranoia: Es ist kein Raum mehr für literarische Verschwörungstheorien

Zu den Marathon-Schreiberinnen im Krimi-Betrieb gehört auch Patricia Cornwell. Seit 1990 geht ihre Pathologin Kay Scarpetta jetzt schon auf Mörderjagd. Die ersten Folgen der Serie waren sensationell: extrem dicht geschrieben, spannend, und häufig harte Kost. Wie das bei lang laufenden Serien so ist, stellten sich irgendwann Ermüdungserscheinungen ein, die Verbrechen, die Verschwörungen und die Fähigkeiten der Supernichte Lucy wurden immer bombastischer.

Annäherung nach langer Kay-Scarpetta-Abstinenz

Nach einer gefühlt mindestens zehnjährigen Abstinenz jetzt also eine erneute Annährung. „Paranoia“ heißt der bislang neueste Krimi von Patricia Cornwell. Schnell wird klar: Die Autorin verdichtet die Handlung wie immer, erzeugt Spannung und Grusel wie am ersten Tag. Und doch ist ihr Thriller auf den zweiten Blick reichlich merkwürdig.

Ungereimtheiten bei einem Haushaltsunfall

Kay Scarpetta, mittlerweile in Neuengland tätig, wird zu einem Todesfall gerufen, von dem alle vermuten, es sei ein Haushaltsunfall. Die Gerichtsmedizinerin entdeckt am Fundort der Leiche jedoch schnell Ungereimtheiten, und das, obwohl sie abgelenkt ist. Irgendwer schickt ihr einen Link zu Videos, die ihre Nichte zeigen. Videos, die heimlich aufgenommen wurden, und – so entdeckt Scarpetta schnell – schon einige Jahre alt sind. Kein Wunder, dass Fragen aufkommen: Muss Scarpetta das Bild ihrer Nichte revidieren? Inszeniert jemand seit 20 Jahren schon den Versuch, ihre in Ermittlerkreisen höchst umstrittene Nichte Lucy weiter zu diskreditieren? Droht akute Gefahr?

Ein Fest für Aluhuttragende Verschwörungstheoretiker

Die Pathologin lässt ihren Tatort im Stich, und macht sich auf den Weg zu ihrer Nichte. Der droht Ungemach, nicht von Bösewichten, sondern von höchst offizieller Stelle. Ermittler des FBI haben sich auf dem Anwesen breit gemacht. Bereits hier verändert sich „Paranoia“ zur Leib- und Magenlektüre für Aluhuttragende Verschwörungstheoretiker. Obgleich Scarpetta selber seit Jahrzehnten Ordnungshüterin ist, seit geraumer Zeit mit einem FBI-Agenten verheiratet ist, wittert sie Verrat von staatlicher Seite. Spätestens ab diesem Moment beginnt der Leser sich zu fragen, ob – so viel volkstümliche Formulierung sei ausnahmsweise einmal erlaubt – die Autorin einen an der Waffel hat.

Patricia Cornwell: Verwirrstück um Verfolgungswahn

Man kann den Band als raffiniert gewebtes Verwirrstück lesen, dessen Titel Programm ist. Formal spielt sich die gesamte Handlung innerhalb eines einzigen Tages ab, ein Tag, an dem die Protagonistin und ihre Freunde alle Gewissheiten verlieren, Verwandte, Freunde, Partner zu potentiellen Verschwörern werden. Lange Zeit ist offen, ob Kay Scarpetta und ihre Nichte tatsächlich verfolgt werden, oder sie nur einen schweren Schub der titelgebenden „Paranoia“ durchleben.

Cornwells „Paranoia“ bleibt merkwürdig

Wirklich gelungen ist das nicht, weil die Konstruktion, so spannungsgeladen sie ist, so komplex sie erdacht wurde, ganz genau zwischen den Buchdeckeln funktioniert. Wenn man die Handlung in den größeren Bogen der ganzen Serie einbettet, erscheint das Thema konstruiert, wenn die Realität als Schablone hinzukommt, verstärkt sich der Merkwürdig-Effekt bei allem Verständnis und Faible für dichterische Freiheit ganz gewaltig.

Es gibt zu viele Verschwörungstheoretiker

Vielleicht funktionieren Verschwörungsthemen im Thriller auch im Social-Media-Zeitalter nicht mehr. Wenn AfD-Wähler, Donald-Trump-Anhänger und andere unkritische bzw durchgeknallte Facebook-Nutzer die abstrusesten Theorien über Staaten und Gesellschaften für wahr halten, teilen und mit erbittertem Ernst und wirrer Logik verteidigen, macht es keinen Spaß mehr, sich im Krimi mit Verschwörungstheorien auseinanderzusetzen.  Die abwegigsten Phantasien von Thriller- Autoren werden  mittlerweile häufig vom politischen Wahn rechthaberischer Rechter überflügelt – und das ist dann nicht unterhaltsam, sondern sehr gefährlich.

Patricia Cornwell, Paranoia, Hoffmann&Campe, 400 S., 24€, VÖ: 17. September 2016

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Kathy Reichs: Die Sprache der Knochen bietet wenig Neues

Irgendwann in grauer Vorzeit, vor beinahe 20 Jahren, gab es eine großartige neue Autorin in der Krimi-Welt. Die Anthropologin Kathy Reichs hob, die Fernsehserie CSI und ihre Ableger waren lange noch nicht in Sicht, den wissenschaftlich angehauchten Thriller auf ein neues Niveau. Das war ungewöhnlich, das war innovativ, das war spannend.

Neues aus den Genre des Baukastenkrimis

Heute, 18 Bände später, werden Morde im Dutzend im Labor aufgeklärt, auch um die Hauptdarstellerin Temperance Brennan gibt es längst eine eigene Fernseh-Serie. Mittlerweile gehören die Thriller der US-Amerikanerin zum Genre der Baukastenkrimis, die nach immer gleichem Muster zusammengesteckt werden. Es gibt einen Bösewicht aus einer kleinen, die Recherchefähigkeit des Reichs-Teams belegende Minderheit. Außerdem Selbstzweifel der Protagonistin, ein bis zwei Beziehungskonflikte zum Traummann und einem Verwandten (wechselnd Schwester, Tochter oder Mutter), einen Mordanschlag und eine überraschende Auflösung.

Kathy Reichs schreibt handwerklich auf hohem Niveau

Warum soll man das also lesen? Eigentlich gar nicht (mehr). Aber Reichs schreibt auf handwerklich hohem Niveau, ihre Figurenzeichnung tanzt bei allen bekannten Verhaltensmustern unerträgliche Stereotype souverän aus und der Leser erfährt trotz der eingefahrenen Gleise dennoch meist etwas Neues. Und ein Kathy-Reichs-Fan der ersten Stunde will ohnehin wissen, wie es weitergeht.

Morde unter Exorzisten in der Provinz

Im neuesten Krimi „Die Sprache der Knochen“ hat die Autorin sich zwei Recherchestränge ausgesucht. Sie greift das Phänomen der Hobby-Ermittler auf, die sich über das Internet in Gruppen zusammentun und Wettbewerbe zur Aufklärung offener Verbrechen beziehungsweise Vermisstenfälle austragen. In diesem Fall geht es um eine verschwundene junge Frau im Umfeld einer – der zweite Strang – fundamentalistischen christlichen Gemeinde, die den Ritus des Exorzismus betreibt, und das noch ohne Segen der katholischen Kirche. Man ahnt schnell, dass das nicht gut ausgehen kann. Keine Frage, dass Temperance Brennan mindestens einem perfiden Mordanschlag überstehen muss.

„Die Sprache der Knochen“: Furchtbar vorhersehbar

Das Ganze ist, wie schon erwähnt, alles furchtbar vorhersehbar und zugleich noch hinreichend spannend. Es wäre  interessant zu erfahren, wie ein Erstleser auf „Die Sprache der Knochen“ reagiert. Überträgt sich 20 Jahre alte Innovation in die Gegenwart oder wirkt das wie bei einem 20 Jahre alten Neuwagen eher drollig?

Kathy Reichs, Die Sprache der Knochen, Blessing, 385S, VÖ: Januar 2016

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Jeffery Deavers Der Giftzeichner: Ein Thriller als Familientreffen

Jeffery Deaver hat einmal damit begeistert, dass er mit Abstand die raffiniertesten Plots erdacht hat, seine Leser zusagen immer auf den Zehenspitzen hielt, weil sie jederzeit überraschenden Wendungen gewahr sein mussten. Diese Zeiten sind knapp 20 Jahre nach dem Sensationserfolg „Der Knochenjäger“ vorbei. Bei seinem jüngsten Krimi „Der Giftzeichner“ hatte ich das erste Mal das Gefühl, den Verlauf vorhersehen zu können. Es bestätigte sich mehrfach dieses „das war bestimmt….-Gefühl.

Erneut ein spannender Krimi von Jeffery Deaver

Das heißt ausdrücklich nicht, dass „Der Giftzeichner“ ein schlechter Krimi wäre. Ganz im Gegenteil. Deaver-Neulinge und eingefleischte Fans werden bei einem spannend aufgeschriebenen Krimi auf ihre Kosten kommen. Denn Jeffery Deaver beherrscht sein Handwerk und komponiert wieder jede Menge gruselige Szenen zu einer atemberaubenden Verfolgung.

Der „Giftzeichner“ mordet mit tödlichen Tattoos

Das wohl bekannte Ermittlerteam um Lincoln Rhyme und Amelia Sachs hat es natürlich wieder mit einem Serienmörder zu tun. Dieser entführt seine Opfer und tötet sie mit giftigen Tattoos auf besonders grausame Weise. Die Tattoos, so wird schnell klar, sind Botschaften an die Ermittler, mit denen der Mörder sein perfides Katz- und Mausspiel beginnt.

Ermittlungen im New Yorker Untergrund

Wie im Rhyme-Sachs-Debüt „Der Knochenjäger“ geht es wieder in den New Yorker Untergrund. Der Unterbauch der Metropole bietet genügend verschlungene Pfade und Katakomben für jede Menge Gewaltverbrechen und klaustrophobische Anfälle – für Ermittler wie Leser.

Verbindungen zum „Knochenjäger“

Relativ früh wird klar, dass es eine Verbindung zu einem Täter vergangener Zeiten geben muss. Das ergibt die Auswertung forensischer Funde vom Tatort. Lange Zeit, das gehört sich für einen Thriller so, scheinen die Ermittler immer einen Schritt zu spät zu kommen, während die Zahl der Opfer stetig zunimmt.

Ein Familientreffen mit Lincoln Rhyme und Amelia Sachs

Auch der elfte Fall um das Duo Rhyme/Sachs bietet also trotz des Déjà vu wieder gute Krimi-Unterhaltung, vielleicht sogar gerade deshalb. Die beiden Ermittler sind einem mittlerweile so vertraut, dass ihre literarische Rückkehr so eine Art Familientreffen darstellt, auch bei Plot und Gruselfaktor gilt der steinalte Satz der Waschmittelwerbung: „Da weiß man, was man hat“. Das ist nicht innovativ, nicht aufregend neu, aber immer wieder unterhaltsam. Und von einem Krimi erwartet man ja oft genau das.

Jeffery Deaver, Der Giftzeichner, Blanvalet, 571S., 19,99€, VÖ 14. September 2015

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Cop Town von Karin Slaughter, ein Thriller, der im Gedächtnis bleibt

Atlanta, 1974. Ein Unbekannter ermordet Polizisten. Die Jäger werden auf einmal zu Gejagten und eine Stadt gerät an den Rande des Ausnahmezustandes. Weil die erfahrenen Polizisten auf einem Auge blind sind, scheint kein Ende der Mordserie in Sicht. Ausgerechnet der blutjungen Polizistin Kate Murphy gelingt es, zusammen mit ihrer Partnerin den Mörder zu stellen.

Ein Stand-Alone-Krimi von Karin Slaughter

Karin Slaughter ist eine der Königinnen, des harten Thrillers US-amerikanischen Prägung. Cop Town, ist ein außerordentlich ein außerordentlich gut gelungenes Exemplar des Genres. Eingefleischte Slaughter-Fans sollten jedoch wissen, dass Cop-Town ein sogenannter Stand-Alone-Thriller ist, also nicht zu einer der etablierten Serien gehört.

Kate Murphy und die sympathisch unbeholfenen Wege einer Berufsanfängerin

Zunächst ist Cop Town ein perfekt inszenierter Krimi. Die Suche nach dem Täter führt über genre-gerechte viele Um- und Irrwege, die Figuren sind hinreichend komplex gezeichnet und das Tempo über 500 Seiten angenehm hoch. Da man erstens den unbeholfenen Versuchen der jungen, interessant erdachten Berufsanfängerin Kate Murphy, ihren Weg in den Job zu finden, gerne folgt und es obendrein einen furiosen Showdown gibt, hat Slaughters Thriller wirklich alles, was zu einem unterhaltsamen Krimi dazu gehört.

Cop Town, ein beeindruckendes Portrait der US-amerikanischen Gesellschaft

Cop Town bietet aber noch mehr. Karin Slaughter ist ein beeindruckendes Portrait der amerikanischen Gesellschaft in einer Epoche gelungen, in der Rassismus gegen Schwarze und Diskriminierung gegen Frauen in den Gehirnen weißer Südstaaten-Männer noch ein erbärmliches Rennen um die Vorherrschaft beim Denken führten. Allein die Schilderungen, wie sich die Polizistinnen den Weg durch ihre männlichen Kollegen zu ihren Umkleideräumen bahnen müssen, zeichnen ein drastisches, sehr ergreifendes Bild über Rollenverständnisse, die noch gar nicht so lange Zeit überwunden sind.

Die unsichtbaren Grenzen eines unsolidarischen Kastenwesen

Die Schilderungen einer Gesellschaft, in der es für Frauen bereits als Zeichen des Respekts galt, wenn Sie von ihren Kollegen nicht vergewaltigt oder betatscht wurden, sind auch deshalb so gelungen, weil Slaughters, sich nicht auf ein Täter-Opfer-Bild beschränkt. Im Atlanta der 70er Jahre kämpft so ziemlich jeder gegen jeden; Weiße Männer gegen alle, Schwarze Männer gegen Frauen, Schwarze Frauen gegen Weiße Frauen und so weiter. Es galt ein unausgesprochenes Kastensystem (und man ist sich nicht sicher, ob man wirklich die Vergangenheitsform werden soll), das unsichtbare Grenzen zwischen den Bevölkerungsgruppen zog – selbst, wenn diese den gleichen Beruf hatten. In diesem System gab es, wenn man Slaughter glauben darf, auch innerhalb der Gruppen wenig Solidarität. Wer nicht dem Mainstream-Ideal entsprach, war sehr einsam, um es mal zurückhaltend zu formulieren.

Die Kunst Saughters besteht darin, das alles mit klaren Worten zu erzählen, ohne das Grundprinzip des Spannungsromans zu vergessen. Cop Town ist sehr harte Kost, aber eine außerordentlich lesenswerte, ein Krimi, der im Gedächtnis bleibt.

Karin Slaughter, Cop Town, Blanvalet, 544 S., 14,99€ VÖ: 9. November 2015

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„Der Anhalter“ von Lee Child, ein sehr solider Spannungsroman

Jack Reacher hängt fest. Seit mehreren Romanen versucht der Mann, der Ödnis des mittleren Westens der USA zu entkommen. Seinem Ziel, Virginia – wo möglicherweise eine tolle Frau wartet – kommt er dabei kein Stück näher Mindestens zum vierten Mal in Folge hat Lee Child die Handlung seiner Jack-Reacher-Krimis ins Nirgendwo, dass aus Farmland bis zum Horizont, heruntergekommenen Häusern und gesichtslosen Städten besteht, verlegt.

Lee Child perfektioniert die Schilderung des amerikanischen Alptraums

Klingt nach Wiederholung, ist aber nicht schlimm, weil Child die Schilderung dieser besonderen Form des amerikanischen Alptraums mittlerweile perfektioniert hat. Im neuesten Roman „Der Anhalter“, dem mittlerweile 17. Roman der Serie,  passiert genau das. Jack Reacher steht in Nebraska an einem einsamen Interstate-Highway und versucht, trampend voranzukommen. Erst nach langer Wartezeit hält ein Wagen an. Darin befinden sich drei Insassen, gemeinsam reisende Geschäftsleute. Reacher, der ehemalige Militärpolizist merkt schnell, dass die Geschichten jede Menge Löcher hat. Offenbar sind die beiden männlichen Reisenden Auftragskiller, die eine junge Frau in ihrer Gewalt haben und Reacher als Tarnung für diverse Straßensperren brauchen.

Jack Reacher jagt mal wieder skrupellose Verbrecher

Glaubwürdigkeit war noch nie die Stärke Childs, Spannung dagegen schon. Auf jeden Fall findet die Polizei, nachdem sich Reacher von dem merkwürdigen Trio getrennt hat, die Frau verbrannt am Straßenrand. Kurz darauf verschwindet auch noch die Tochter. Jack Reacher misstraut, wie eigentlich immer, den Behörden und beginnt selber, nach dem Kind zu suchen. Schnell stellt sich heraus: Nichts ist wie es scheint, abgesehen von der Gefahr. Die ist höchst real, aber andererseits Reachers ständiger Begleiter.

„Der Anhalter“ von Lee Child, ein sehr solider Spannungsroman

Lee Child hat wieder einen sehr soliden Spannungsroman geschrieben, in dem der einsame Wolf Reacher sich wieder durch ein kunstvolles Labyrinth von Irrwegen und falschen Fährten kämpfen muss und dabei einen sehr großen Haufen Leichen hinter sich lässt. „Der Anhalter“ ist wieder spannend geschriebene Action, nichts für Feingeister oder Freunde kriminalistischer Sozialkritik, aber immer wieder unterhaltsam zu lesen.

Lee Child, Der Anhalter, Blanvalet, 448S, 19,99€, 29. Juni 2015

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Michael Robothams Um Leben und Tod: Spannender Thriller um einen Pechvogel

Völlig chancenlos? Zu Unrecht verfolgt? Ganz alleine, ohne Freunde auf der Welt? Wer hier drei Mal mit „Ja“ antwortet, sollte entweder dringend einen Psychiater aufsuchen oder aber einen Thriller schreiben. Michael Robotham hat letzteres getan, aber der macht das auch beruflich, und der Mann kann das richtig gut.

„Um Leben und Tod“ begleitet einen flüchtigen Häftling

„Um Leben und Tod“ heißt der neueste Thriller des Australiers. Dafür hat sich Robotham Audie Palmer erdacht. Dieser flieht nach zehn Jahren im Gefängnis, ausgerechnet einen Tag bevor er entlassen werden soll. Der Leser merkt schnell, dass das was alle glauben, kaum der Grund sein kann: Angeblich war Palmer an einem Raubüberfall auf einen Geldtransporter beteiligt und hat die Beute, die nach einem blutigen Feuergefecht verschwunden war, irgendwo versteckt.

Michael Robotham hat den größten Pechvogel der aktuellen Krimi-Welt erdacht

Schnell ist klar, dass hinter der ganzen Angelegenheit viel mehr stecken muss als ein schnöder, missglückter Raubüberfall. Nur eines steht von Beginn an fest. Audie Palmer ist der größte Pechvogel, den die Krimiwelt in den letzten zehn Jahren gesehen hat. Genau darin liegt aber der Reiz von „Um Leben und Tod“. Wir folgen einem Chancenlosen.

„Um Leben und Tod“: Nicht sehr raffiniert, aber extrem emotional und fesselnd

Michael Robotham hat sich keinen besonders raffinierten Plot ausgedacht. Früh zeichnet sich zumindest für den halbwegs geübten Krimi-Leser ab, wohin die Reise geht. Aber darum geht es vermutlich nicht. Robotham schafft eine enorme Nähe zu seiner Figur, dem vom Unglück verfolgten Audie Palmer. Damit gelingt es ihm, seinen Leser perfekt in seinen Bann zu ziehen. „Um Leben und Tod“ gehört bei aller gelegentlichen Schlichtheit in die Kategorie der Bücher, die der Leser nicht mehr aus der Hand legen mag, weil man unbedingt wissen will, wie sich der Protagonist aus den nächsten Wellen an Ungerechtigkeiten freischwimmt, die immer wieder auf ein hereinbrechen.

Tatort:USA

Eigentlich gibt es eine Reihe von Orten, an denen der Australier seinen Thriller „Um Leben und Tod“ spielen lässt, wie in einem Roadmovie geht es von Kalifornien nach Texas. Allen Orten ist eines gemein, sie atmen den heruntergekommenen Hauch der Provinz. Gleich, ob , Verbrecher, illegaler Einwanderer, Staatsdiener oder Vertreter der Oberschicht, alle handelnden Personen haftet diese leicht gestrigen Charme, der in den Weiten der USA (und den sie beschreibenden Krimis) so oft anhaftet. Robotham schafft es, mit sehr wenigen Worten, aber dafür sehr eindringlich, diese Enge, diese Unentrinnbarkeit der Provinz lebendig werden zu lassen.

Michael Robotham, „Um Leben und Tod“, Goldmann, 474 S., 9,99€ VÖ: 20. Juli 2015

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In M.C. Poets Berechnung wird eine Gejagte zur Jägerin

Wer orientierungslos und mit Filmriss in einem Motelzimmer aufwacht, kann sich sehr sicher sein, dass ein gewaltiger Kater das geringste Problem sein wird, mit dem er sich nach dem Wachwerden rumschlagen muss. So geht das auch Hannah Marcks. Als die junge Deutsche zu sich kommt, beugen sich mehrere schlecht gelaunte FBI-Fahnder über sie, um sie zu verhaften.

Auf dem Weg in die Todeszelle

Ein Unbekannter hat nicht nur alle Papiere der Mathematikerin auf Urlaubsreisen gestohlen, sondern ihr gleichzeitig die Identität einer dringend gesuchten, mehrfachen Mörderin übergestülpt. Hannah Marcks hat von da an wirklich keine gute Zeit: Sie landet in U-Haft, vor Gericht und am Ende sogar auf dem Weg zur Todeszelle. Erst nach langem Martyrium bekommt sie von sehr unerwarteter Seite Hilfe.

Lohnenswert: „Berechnung“ von M.C. Poets

Ganz kurz gesagt ist „Berechnung“ von der deutschen Übersetzerin und Autorin M.C. Poets eine Variation des Grundthemas der Gejagten, die – um die eigene Unschuld zu beweisen – zur Jägerin wird. Um es genau so kurz zu sagen: Das hat die Autorin ausordentlich gut gemacht.

Eine „Jagd“-Geschichte mit hoher Sogwirkung

„Berechnung“ ist ein weitgehend schnörkelloser Thriller, dessen Plot von der Autorin mit angenehm hohem Tempo vorangetrieben wird. Hohe Erzählgeschwindigkeit löst ja häufig einen Sog aus, der den Leser an den Stoff fesselt. So ging das mir zumindest – und laut Klappentext 100.000 Lesern, die das Buch schon in einer E-Paper-Variante verschlungen haben.

Erfolg durch eine gut erdachte Protagonistin

Der Erfolg von „Berechnung“ ist vermutlich in erster Linie mit der gut erdachten Protagonisten zu erklären. Hannah Marcks ist eine hochintelligente Mathematikerin mit einem sympathischen Drang zur Lebensuntüchtigkeit. Dass die junge Frau trotz Mathematikstudiums an einer Elite-Uni ausgerechnet ihr Leben als Schäferin hinterm Deich plant, ist einerseits krimi-technisch irgendwie typisch deutsch, andererseits für den Plot vermutlich auch notwendig – wer vermisst schon eine Schäferin ohne nennenswerte Familie hinterm Deich?

Mathematik als Krimi-Hilfsmittel

Jedenfalls macht es enorm viel Spaß, Hannah Marcks beim Rechnen zuzuschauen, gleich, ob es darum geht, die Zeit totzuschlagen, alltägliche Probleme zu klären oder sich allen möglichen Bösewichten zu stellen. Eine absolute Leseempfehlung, die einen Krimi suchen, der ohne großen gesellschaftlichen Entwurf oder gruselige Psycho-Abgründe auskommen darf.

Tatort:Texas

Zwischen den dicht besiedelten Küstenstaaten an Atlantik und Pazifik bieten die USA mittendrin schier unendliche Weite, die perfekt geeignet scheint, sich vor anderen Menschen und insbesondere der Staatsmacht zu verstecken. Diese Ödnis des Mittleren Westens war schon Schauplatz für viele hervorragende Krimis. Die Weiten der USA nutzt auch M.C. Poets für „Berechnung“. Auch ohne viele Worte für die Szenerie zu verwenden, vermittelt die Autorin ein glaubwürdiges Bild der Einsamkeit, die auch im 300-Millionen-Staat USA möglich ist – auch, wenn sie dabei natürlich auf das bestens bekannte Stilmittel der einsamen Hütte als Festung und Falle zugleich zurückgreift. Aber es funktioniert.

M.C. Poets, Berechnung, Rowohlt, 350S., 9,99€, VÖ: 27. März 2015

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Blinder Feind von Jeffery Deaver: Spannend und überraschend wie immer, aber leider auch flach wie nie

Jefferey Deaver ist meiner Meinung einer der Großmeister des perfekten Plots in der Kriminalliteratur. Der US-Amerikaner hat mich zumindest mit einigen der überraschendsten Wendungen unterhalten. Deaver ist dabei ein außerordentlicher Vielschreiber, er hat mehrere Reihen und zahllose „Stand-alone“-Thriller geschrieben. Sein neuester Thriller gehört in die letzte Kategorie.

Fingerübung eines gelangweilten Thriller-Autoren?

Wenn man streng ist, könnte man „Blinder Feind“ als Fingerübung eines gelangweilten Thriller-Autoren betrachten, weil er formal erst einmal ungewöhnlich und ungewohnt sperrig daherkommt. Aber Deaver wäre nicht Deaver, wenn er seine Leser nicht doch gehörig in die Irre führen würde.

Deaver entwickelt ein raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel

Die Geschichte beginnt mit einer New Yorker Büroangestellten, Garbriela McKenzie, deren Tochter entführt wurde. Damit wollen die Entführer die Frau, die als Office-Managerin eines Anlageberaters gearbeitet hatte, Geheimpapiere ihres Chefs und ein sattes Lösegeld erpressen. Wir lernen zudem im Inneren Monolog den Täter, sowie in ganz normalen Dialogen Spezialisten einer Geiselbefreiungsfirma kennen. Stück für Stück enthüllt sich ein raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem bald nicht mehr klar ist, wer Maus und wer Katze ist

„Blinder Feind“, ein Exemplar von Flughafen-Lektüre

Deaver treibt seine Geschichte mit gewohnt hohem Tempo voran, seine Thriller zeichnen sich genau dadurch aus, dass jedes Wort sitzt und dieser Stelle seinen Sinn hat. Dennoch hat er sich bislang immer auch Zeit für interessante Figurenzeichnung genommen und interessante und vielschichtige Charaktere geschaffen – und beschrieben. Bei „Blinder Feind“ ist das anders. Für mein Gefühl hat sich Deaver hier sehr deutlich auf das Niveau von Flughafen-Literatur begeben. (Das sind Bücher, die gleichzeitig so spannend und so schlicht sind, dass sie auch in 12.000 Meter Höhe bei mittelstarken Turbulenzen, eingekeilt zwischen übergewichtigen Sitznachbarn und Flugbegleiterinnen mit Domina-Komplex, noch gut zu lesen sind.)

Unerwartet nervige Figurenzeichnung von Jeffery Deaver

Jedenfalls beschränken sich die Eigenschaften der Männer, das sie kräftig gebaut sind, leuchtend blaue Augen haben und ansonsten entfernt wie George Clooney aussehen – es sei denn natürlich, sie seien Bösewichter: Das erkennt man an irgendwelchen körperlichen Defiziten. Bei den Frauen ist mit leichter Variation ähnlich: Langes, wallendes Haar, schmale Hüften und große Brüste stehen hier für einen „guten Charakter“.

Enorm spannend, sehr überraschend, aber eben auch enttäuschend flach…

Offen gestanden verliere ich, wenn ich nicht gerade in 12.000 Metern Höhe in einer schmalen Aluminiumröhre sitze, bei derartigen Figurenzeichnungen unmittelbar die Lust, weiterzulesen. In diesem Fall habe ich es dennoch getan, weil ich im Urlaub nicht unbegrenzt auf mein Bücherregal zugreifen konnte, um eine Alternative zu finden – und so bleibt, auch wenn am Ende der flache Figuren-Schein zu trügen scheint, mein Lesefazit eher ungnädig. Ja, enorm spannend, sehr überraschend, aber eben auch total und enttäuschend flach. Also eigentlich nur für Viel- bzw. Langstreckenflieger zu empfehlen…

Jeffery Deaver, Blinder Feind, blanvalet, 382S., 9,99€, VÖ: 19. Januar 2015

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„Bones Never Lie“ Kathy Reichs zwingt Temperance Brennan unter die Schatten der Vergangenheit

Es gibt Bücher, zumindest einige wichtige, die prägen einen Leser sein Leben lang. Für einen Krimi, der ja eher der Unterhaltung dient, kommt das auch angesichts der meist eher düsteren Themen natürlich nicht in Frage, aber es gibt Kriminalromane, die bleiben in Erinnerung, über Jahrzehnte hinweg. Das gilt beispielsweise auch für „Déjà Dead,“ beziehungsweise „Tote Lügen nicht“, das Debüt der US-Amerikanerin Kathy Reichs.

Temperance Brennan ermittelt seit 17 Jahren

Das englischsprachige Original der forensischen Anthropologin stammt aus dem Jahr 1997 und war schlicht atemberaubend. So spannend, so dicht und mit gleichzeitig so viel lakonischem Witz hatte damals kaum jemand düstere Krimis oder Thriller geschrieben. Die Qualität der Romane um die forensische Anthropologin Temperance Brennan, die wie ihre Schöpferin in North Carolina und Kanada „lebt“ und „arbeitet“, hielt sich bis ins neue Jahrtausend. (Dass die TV-Serie Bones auf den Romanen von Reichs basiert, dürfte allen Lesern bekannt sein.)

Neu auf dem Markt „Bones Never Lie“ von Kathy Reichs

Jetzt ist auf dem englisch-sprachigen Markt der neueste Band um die ermittelnde Wissenschaftlerin erschienen. „Bones Never Lie“ heißt der neueste Band – und um es gleich vorwegzunehmen, er ist wieder gut. Das „wieder“ ist an dieser Stelle leider notwendig, da sich in den mittlerweile 17 Jahren rund um nur eine Figur im Mittelpunkt natürlich leichte Ermüdungserscheinungen eingestellt hatten. Der eine oder andere Vorgänger von „Bones Never Lie“ der letzten Jahre war offen gestanden eher durchschnittlich, wirkte wie das schnell zusammengeschriebene Drehbuch einer einzelnen Fernsehepisode.

Ein Mörder zieht seine Spur quer durch die USA

Jetzt hat Kathy Reichs wieder einen Band fertiggestellt, der eigentlich alle Anforderungen an einen gelungenen Krimi erfüllt. Temperance Brennan muss sich mit einer ganzen Serie von Morden an jungen Mädchen auseinandersetzen. Über Jahre hinweg, so stellt sich heraus, hat ein Unbekannter, Mädchen an der Schwelle zum Frau-Sein verschleppt, misshandelt und umgebracht.

Mord mit Wurzeln in der Vergangenheit der forensischen Anthropologin

Brennan kommt über einen ihrer alten Fälle bei den Ermittlungen ins Spiel, und muss erst einmal private Probleme lösen. Spuren der Morde führen in ihre kanadische Zweitheimat, helfen könnte nur ihr Ex-Lover, der sich aber nach einem persönlichen Drama vor der Welt versteckt. Keine Frage, dass Temperance Brennan nicht nur den verschollenen Cop auftreibt, sondern auch den Mörder stellt. In beiden Fällen muss sich die ermittelnde Wissenschaftlerin mit den dunkleren Episoden ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen.

Ein solider Band 17…

„Bones Never Lie“ hat wieder alles, was zu einem gelungenen Reichs-Krimi dazu gehört: jede Menge Tempo, eine klare, einfache aber unterhaltsame Sprache und einen hinreichend verwickelten Plot, der den Krimi-Leser neugierig auf die Auflösung macht. Ja, es gib auch kleinere Schwächen, Temperance Brennan ermittelt zwar, allerdings kaum noch in ihrem eigenen Labor (was früher einen Großteil der Spannung ausmachte), es tauchen bestimmte Formulierungen auf, die sagen wir mal sehr vertraut sind – und eine wirkliche Weiterentwicklung der Protagonisten lässt die Autorin auch unter den Tisch fallen. Insofern fehlt auch dem neusten Band der atemberaubend-fesselnde Moment des Erstlings, aber das wäre in einem „Band 17“ vermutlich auch etwas zu viel verlangt. So gibt es immerhin solide Krimi-Unterhaltung.

Kathy Reichs, Bones Never Lie, Random House, 340 S., 17,64€, VÖ: 23. September 2014

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Joakim Zanders Der Schwimmer: Politthriller und Familiendrama

Kriminalromane sind eines der wichtigsten Exportgüter Schwedens jenseits praktischer Buchregale. Da ist dann natürlich oft Durchschnitt dabei, gelegentlich aber auch außerordentlich Gelungenes. So ist das auch mit Joakims Zanders „Der Schwimmer“.

Die Geschichte um den alternden CIA-Agenten und die junge schwedische Juristin ist gleichzeitig verschachtelt komplex und spannend zielstrebig konstruiert. Das passt auch zum Thema, das hochpolitisch scheint, eigentlich aber um eine einfache Vater-Tochter-Beziehungsgeschichte kreist.

Das Schwimmbecken wird in „Der Schwimmer“ zum Fluchtpunkt

Das sind die Handlungsstränge: Da ist der CIA-Agent, der im Damaskus der achtziger Jahre bei einem Attentat seine Frau verliert, die Tochter weggeben muss, nach dem doppelten Verlust nur mühsam wieder auf die Beine kommt und letztlich bei seinem Arbeitgeber, dem US-amerikanischen Geheimdienst, ein Fremdkörper bleibt. Ruhe findet er nur beim Schwimmen.

Gnadenlose Jagd auf eine einsame Schwedin

Dann ist da die schwedische Juristin Klara Walldéen, die in Brüssel als Referentin einer Abgeordneten arbeitet und trotz Karriere und profiliertem Lover zwischen allen Stühlen zu schweben scheint In weiteren Erzählsträngen trifft der Leser auf einen Wissenschaftler, der sich mit Misshandlungen im Krieg beschäftigt und seiner Ex Klara Walldéen Informationen zukommen lässt, die lebensgefährlich werden sollen: Unter anderem ein kokainsüchtiger Lobbyist, schmierige Anwälte und gewalttätige Verbrecher machen bis zu einem furiosen Showdown in der einsamen Schärenwelt der Ostsee Jagd auf die Schwedin. Sie alle wollen ein grausames Verbrechen vertuschen.

Politthriller und Familiendrama

Joakim Zander macht das, wie ich finde, sehr gut. Er benutzt das „Haifischbecken“ Brüssel und die modernen Verhörmethoden der USA, die von Kritikern ja nicht völlig zu unrecht als behördlich gebilligte Folter bezeichnet werden, als Kulisse für eine im Grunde sehr persönliche Geschichte. Vater und Tochter müssen mit dem Verlust leben, auch wenn diese frühe Trennung nur der Vater bewusst durchlitten hatte. Im Leben beider klafft seither eine Lücke, die sie zwar funktionieren, aber nicht wirklich glücklich werden lässt: Das Gefühl der Verlorenheit erzählt Zander ohne viele Worte darauf zu verwenden beinahe beiläufig, aber zugleich sehr glaubwürdig und bewegend.

Zander steht mit dieser Mischung von großer Politik und persönlicher Tragödie in bester schwedischer Krimi-Tradition. Denn das macht die besseren schwedischen Krimis aus: Dass sie Gesellschaftskritik und individuelle Dramen perfekt verquicken, also zugleich empören und bewegen, und dabei dennoch ihre erzählerische Leichtigkeit bewahren.

Joakim Zander, eine Krimi-Neuentdeckung

Man könnte als von einer echten Krimi-Neuentdeckung sprechen. Allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Joakim Zander ist Jurist und hat selber in Brüssel beim EU-Apparat gearbeitet: Er verfügt durch seine eigene Biografie also über reichlich Anschauung – und die hilft ja meistens beim Schreiben. Es wird interessant zu sehen, wie sich Joakim Zander schlägt, wenn er ohne „Insiderwissen“ auskommen muss.

Tatort:Schären

Damaskus, Stockholm, Kabul, Langley, Brüssel: Joakim Zander hat sich für sein Debüt eine große Bühne gezimmert. Der Schwede schafft es, jeden seiner „Tatorte“ mit wenigen Worten gekonnt in Szene zu setzen. Die spezielle Stimmung, die diese Orte ausmacht, findet sich in „Der Schwimmer“ gelungen wieder. Der packendste „Tatort“ ist jedoch eine kleine Schäreninsel vor der Küste Schwedens.

Bei Zander ist der Schärengürtel kein paradiesischer Fluchtort für deutsche Touristen. Seine Schären sind dunkel, kalt, sturmumtost und einsam. Eher ein bedrohlicher als ein idyllischer Ort, der dennoch Heimat und Fluchtburg werden kann. Diese Widersprüchlichkeit lässt sogar die viel beschrieben schwedischen Schären noch einmal interessant und geheimnisvoll erscheinen. Auch das ist, obgleich es nur um eine Nebensächlichkeit wie die Kulisse für einen Krimi geht, eine Leistung.

Joakim Zander, Der Schwimmer, Rowohlt, 431S., 14,99€, VÖ: 1. September

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