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Tom Hillenbrands „Tödliche Oliven“: Gelungener Krimi um schmierige Geschäfte

Es gibt Menschen, die werden konsequent vom Pech verfolgt. Eigentlich wollen diese Zeitgenossen doch nur von Überraschungen unbehelligt ein bequemes Leben führen, aber das geht all zu oft schief – und sie stürzen Kopfüber ins Chaos. Natürlich geben genau diese Menschen die perfekten Krimi-Helden ab. Das gilt auch für Xavier Kieffer. Der von Tom Hillenbrand erdachte Luxemburger Koch und Gastronom stolpert in „Tödliche Oliven“ jetzt bereits zum vierten Mal in ein Szenario, das von Mord, Erpressung, Korruption, globalen Verschwörungen und allerlei anderen finstern Verbrechen dominiert wird.

Ein missglückter Ausflug für Xavier Kieffer

Es beginnt, wie könnte es anders sein, in aller Unschuld. Kieffer möchte sich eine Auszeit gönnen und mit seinem Freund aus Schulzeiten, Alessandro Colao gemeinsam nach Italien fahren. Der Wein- und Ölhändler besitzt dort eine Ölmühle und – beinahe noch wichtiger – detailliertes Wissen über die besten Restaurants. Natürlich kommt Kieffer zu spät zum Treffpunkt, der Freund ist weg.

„Tödliche Oliven“: Falsche Freunde in finanzieller Not

Schnell stellt sich raus, dass Colao nicht etwa aus purer Ungeduld Luxemburg verließ, sondern bereits seit Tagen verschwunden ist. Kieffer macht sich also alleine auf den Weg Richtung Italien, um den Freund zu finden. Er stellt nicht nur fest, dass sein Jugendfreund sich in finanzieller Notlage auf die falschen Freunde eingelassen hatte, sondern gerät schnell auch selber in Gefahr. Die Mafia hat, welche Überraschung, bei ihren schmierigen Geschäften rund ums Öl für neugierige Köche eher wenig Verständnis. Das kann – und das wird nicht gut ausgehen.

Ein Krimi von Tom Hillebrand, bei dem man sich am Ende klüger fühlt

„Tödliche Oliven“ ist ein höchst unterhaltsamer Krimi. Tom Hillenbrand, der meiner Meinung nach dem mit der schrecklich-schönen Zukunftsvision „Drohnenland“ den bislang besten Kriminalroman des Jahres 2014 geschrieben hat, besitzt ein gutes Gespür dafür, leichte Unterhaltung und große Themen miteinander zu verbinden. Seine Kriminalromane besitzen dadurch im besten Sinne „gesellschaftliche Relevanz“. In „Tödliche Oliven“ beschäftigt sich Hillenbrand also mit dem italienischen Olivenöl und allen miesen Geschäften, die darum betrieben werden. Offenbar wird deutlich mehr hochklassiges Olivenöl konsumiert als produziert. Wie die Differenz in Küchen und Esszimmer gerät, will man nach der Lektüre von „Tödliche Ernte“ eigentlich lieber nicht wissen. Dennoch fühlt man sich, und das ist ja auch nicht das Schlechteste, am Ende klüger.

Eine perfekte Identifikationsfigur für Durchschnitts-Dussel

In jedem Fall schafft Hillenbrand für mich einen Dreiklang, der Kriminalromane zur perfekten Unterhaltung werden lässt: ein wichtiges Thema, aufgeladen mit einer glaubhaften Verschwörungstheorie, eine spannende, raffiniert verschlungene Krimihandlung und sympathisch-liebenswerte Protagonisten. Mir jedenfalls ist nach meinem zweiten Kieffer-Fall der Luxemburgische Koch schon richtig ans Herz gewachsen. Der Genuss-Mensch, der nur am Herd brilliert und ansonsten lediglich eine ausgeprägte Beharrlichkeit als Kompetenz bei seinen „Ermittlungen“ in die Waagschale werfen kann, taugt für die meisten Durchschnitts-Dussel als perfekte Identifikationsfigur. Meine Verfolgungsjagden jedenfalls wären, auch ohne, dass ich Kettenraucher wäre, vermutlich ähnlich erfolgreich wie die von Xavier Kieffer.

 

Tatort:Luxemburg

So ganz genau weiß man es ja nicht. Ist Luxemburg jetzt ein Dorf oder eine Großstadt. Wenn man Tom Hillenbrand glauben darf, geht es zwischenmenschlich wie in der Provinz zu, während das kriminelle Niveau Metropolenpotential besitzt. Jedenfalls hat Hillenbrand einen liebevollen Blick auf das kleine Großherzogtum und gönnt sich – und seinen Lesern – den einen oder anderen Seitenhieb auf die EU-Bürokratie, die sich in Luxemburg immer mehr ausbreitet. Insofern bekommt man einen schönen Einblick in einen sehr exotischen Ort mitten in Europa.

Tom Hillenbrand, Tödliche Oliven, KiWi, 322S, 9,99€, VÖ: 6. November 2014

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Xavier Kieffer, Tom Hillenbrands ermittelnder Koch, deckt eine Verschwörung auf

Die Ermittlerszene in der Kriminalliteratur ist vielfältig, Seit kurzem gibt es auch einen Koch mit Spürsinn. Xavier Kieffer heißt der Mann und ermittelt – wenn er nicht gerade in seinem Restaurant am Fuße des Berges hochwertige Hausmannskost zubereitet, im beschaulichen Luxemburg.

Lästige mundartliche Einsprengsel, spannender Krimi

„Letzte Ernte“ heißt der mittlerweile dritte Kriminalroman von Tom Hillenbrand. Das Ergebnis der Schreibarbeit des ehemaligen Spiegel-Online-Journalisten ist zwiespältig. Insbesondere der Beginn hat mich genervt, wobei dem Krimi zugestanden werden muss, dass es Geschmackssache ist: Ich jedoch kann mundartliche Einsprengsel in der Literatur, die auf eine merkwürdige Art regionale Einbettung verstärken soll, nur ganz selten ertragen. Insofern war ich – durch ein Überangebot von eitlen TV-Köchen kulinarischen Beschreibungen nicht eben gnädig gestimmt, geneigt, „Letzte Ernte“ früh wegzulegen. Eine gewisse Hartnäckigkeit zahlt sich aber eben gelegentlich eben doch aus. Hillebrand hat nämlich, wie sich im Verlauf seines Krimis herausfinden soll, ein hochinteressantes Thema gefunden, um das er eine sehr spannende Krimi-Handlung spinnt. Da er zudem noch bei Seitenaspekten einen unterhaltsam bissigen Humor beweist, macht sein Krimi doch noch richtig viel Spaß.

Eine Verschwörung rund um den internationalen Lebensmittelmarkt

Darum geht es. Xavier Kieffer läuft auf einem Fest in Luxemburg ein scheinbar verwirrter Mann in die Arme. Es ist eine kurze Begegnung, die Kieffer dennoch in Erinnerung bleibt, weil ebenjener Mann am nächsten Morgen tot ist, angeblich hat er sich von einer Brücke zu Tode gestürzt. Kieffer zweifelt das an – und gerät zusätzlich ins Grübeln, weil der Fremde seiner Freundin heimlich einen Satz Schlüssel und eine Keycard zugesteckt hatte: Da den genussfreudigen Koch sein Metier nicht völlig ausfüllt, beginnt er nachzuforschen und legt sich schnell mit der Polizei und allerlei Finsterlingen an. Das ist natürlich keine ungefährliche Angelegenheit, auch weil Kieffer einer weitereichenden Verschwörung im Lebensmittelmarkt auf die Spuren kommt. Insgesamt ist „Letzte Ernte“ eine hochspannende Angelegenheit mit kleinen Schönheitsfehlern…

Tatort Luxemburg

Luxemburg besteht, wenn man Tom Hillebrand glauben darf, aus drei Teilen. Luxemburg ist EU-Standort mit internationalem Personal und repräsentativ-hässlichen Gebäuden, Bankenstandort mit Personal und hässlichen Gebäuden und einem ursprünglichen Teil, der noch Lebenswert ist – und überlebensfähig, weil die Personengruppen der ersten beiden Teile gelegentlich in diesen „gemütlichen“ Teil des Landes, der Stadt (das ist ja beinahe deckungsgleich im „Großherzogtum“. Die Beschreibungen Hillebrands von Stadt und Einwohnern ist jenseits mundartlicher Einsprengsel unterhaltsam und nachvollziehbar, so dass man sich ein gutes Bild des kleinen Staats zwischen Deutschland und Frankreich machen kann.

Tom Hillenbrand, Letzte Ernte, Kiwi, 299S., 8,99€, VÖ: Juli 2013
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