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Arne Dahl gruselt angenehm in Sieben Minus Eins

Am Anfang steht ein packendes Duell. Der Kommissar und eine Verdächtige liefern sich ein packendes Gefecht, bei dem Rollen, Dominanz und Schuld zu wechseln scheinen. Lange ist nicht klar, wer mit wem spielt.

Der Schwede Arne Dahl hat den Auftakt für eine neue Krimi-Reihe vorgestellt. Und um es gleich vorwegzunehmen. Das hat er sehr gut gemacht. „Sieben Minus Eins“ ist von der ersten Minute an spannend und das bleibt bis zum Schluss so. Längen? Zeit zum Durchatmen? Fehlanzeige.

Arne Dahl zelebriert ein grandioses Duell im Verhörraum

Der neue Kommissar von Dahl heißt Sam Berger, ist natürlich ein merkwürdiger Typ, gehetzt von Dämonen, im Dauerstreit mit Vorgesetzten und Menschen gegenüber eher grundsätzlich ablehnend ein. Berger glaubt als so ziemlich einziger in seiner Dienststelle, einem Serienmörder auf der Spur zu sein. Beweise hat er keine, mehr eine Ahnung und einen ausgeprägten Sturkopf, mit dem er sein Team auch gegen dessen Willen mit zieht. Nach kurzem Auftakt, bei dem eine Verdächtige ins Radar der Ermittler gerät, begibt er sich mit ebendieser in den Verhörraum. Das Duell kann beginnen. Erst nach einer guten Stunde beklemmender und fesselnder Psychospielchen, verlassen die Protagonisten den Verhörraum,  folgt eine sehr spannende Hatz auf einen Täter. Es sei nicht mehr verraten, als die Tatsache, dass Berger mit seiner Vermutung, einen Serienmörder zu jagen, Recht behalten soll.

Sieben Minus Eins spielt gekonnt mit erzählerischen Nebelkerzen

„Sieben Minus Eins“ in der Hörbuchfassung ist ein sehr intensives Erlebnis, Peter Lontzek als Stimme Dahls schafft es, die Dramatik des Krimis noch einmal zu verstärken. Allerdings hatte er auch eine Vorlage, die es einfach macht. Der neue Krimi von Arne Dahl hält eine gute Balance aus überraschenden Elementen, einer gehörigen Portion Düsterheit, erzählerischen Nebelkerzen und Gradlinigkeit. Das ergibt eine Mischung, die auch Vielleser (bzw. Hörer) überraschen kann, ohne den Stoff überambitioniert zu überfrachten. Anders als viele schwedische Autoren verzichtet Dahl auf gesellschaftskritische Anmerkungen sondern fokussiert sich auf die beiden Schlüsselthemen Duell und Jagd. Das ist auch mal eine interessante Abwechslung.

Arne Dahl, Sieben Minus Eins, Osterworld -Audio, 707 Minuten, 12,99€, VÖ: 2016

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Ausflug in die Vorstadthölle. Max Landorff: Die Siedlung der Toten

Es gibt Krimis, die sind in ihrem Fachbereich eine außerordentliche Fehlbesetzung – und dennoch lesens-, beziehungsweise hörenswert. So ist das beispielsweise bei Max Landorffs „Siedlung der Toten“.

Auslöser der Geschichte ist der Mord an einer alten Frau in einer Siedlung vor den Toren Münchens. Mit den Ermittlungen wird die unkonventionelle, problembehaftete Kommissarin Eva Schnee betraut. Die begibt sich in eine kompliziertes, man könnte auch sagen verwirrendes Geflecht der Kunstfigur Max Landorff, den sich der Verlag zu Vermarktungszwecken der „Regler-Serie (beispielsweise Die Stunde des Reglers) erdacht hat. Der Autor (oder die Autoren) haben für „Die Siedlung der Toten“ also eine neue Ermittlerin erdacht, die Anneke Kim Sarnau für das Hörbuch mit viel (und interessantem) Leben erfüllt. Ohnehin ist das Hörbuch aufwändig produziert, außerdem lesen unter anderem noch Silvester Groth, Leslie Malton und Felix von Manteuffel.

Zeitreise in ein spießiges Siedlungsidyll

Die Ermittlungen zum Tode der alten Frauen führen weit in die Vergangenheit, zu einem nie aufgeklärten Massentod von gleich 18 Menschen in der Siedlung – und hier wird „Die Siedlung der Toten“ interessant, weniger wegen des grausamen Massentodes sondern wegen der Zeitreise in die spießig-engstirnige (noch gar nicht so lange überwundene) Vergangenheit des kleinbürgerlichen Vorstadtmilieus. Das Leben in der scheinbar idyllischen Bungalow-Siedlung entpuppt sich für die im Vergleich zu den alteingesessenen Dorfbewohnern der Nachbarschaft vermeintlich besser gestellten Neubürgern als echte Vororthölle.

Anneke Kim Sarnau liest über Doppelmoral und Gewalt

Anneke Kim Sarnau als Eva Schnee dabei zuzuhören, wie sie sich Schicht für Schicht immer tiefer durch eine perfekte Oberfläche zu einen verrotteten Kern aus Doppelmoral, Grausamkeit und Gewalt vorarbeitet ist ein gruseliges Vergnügen, aber ungemein fesselnd und faszinierend.  Allein deshalb lohnt es sich, das Hörbuch anzuhören.

Max Landorff übertreibt es mit inneren Monologen

Einen Schönheitsfehler gibt es auch. Wer mit inneren Monologen aller möglicher Getriebener und undurchsichtiger Gestalten nichts anfangen kann, den wird Landorffs Krimi vermutlich immer wieder auch nerven. In „Die Siedlung der Toten“ beglückt der Autor seine Leser/Hörer mit einer Menge dieser Monologe. Vermutlich sind sie ja für die Psychologie des Plots irgendwie wichtig. Mich haben sie ehrlich gesagt eher genervt.

Max Landorff, Die Sprache der Toten, Fischer/Headroom, , (ungekürzt), 14,99€, VÖ: 22. September 2016