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Schwere Jungs und preußische Ordnung: Verbrechen in Berlin von Regina Stürickow

Wer regelmäßig Krimis liest, beschäftigt sich zwangsläufig mit den Abgründen der menschlichen Seele. Wer darüberhinaus noch die Nachrichten verfolgt, muss leider immer wieder feststellen, dass die Wirklichkeit oft viel grausamer ist als jede noch so tiefschwarze Phantasie eines Schriftstellers. Der Mensch ist eben ein kreatives Wesen – und das zeigt sich leider auch im kriminellen Bereich.

Echte Morde in „Verbrechen in Berlin“

Echte Verbrechen, brutale Morde und die Suche nach den Tätern stehen also im Mittelpunkt des kleinen Bandes „Echte Verbrechen“. Genauer gesagt geht es um Morde und andere Untaten, die im historischen Berlin zwischen 1890 und 1960 begangen wurden.

Einblicke in den preußischen Obrigkeitsstaat

Das Buch der Historikerin Regina Stürickow lohnt allein wegen der darin zusammengetragenen Originaldokumente, die einen faszinierenden Blick in die deutsche Geschichte gewähren. So verrät ein Foto aus dem Inneren eines Polizeireviers aus dem Jahre 1906 mit wilhelminischen Bärten tragen uniformierten Polizisten so ziemlich alles, was man über Preußen wissen muss. Gestus und Habitus der Beamten, die in dem Moment festgehalten sind dokumentieren einen Obrigkeitsgläubigen Staat.

Außerdem gibt es einige wenige Straßenaufnahmen, die zeigen, wie Berlin eins aussah. Anrührend sind auch die vielen Tatortskizzen, Aktenvermerke und Flugblätter. So richtete sich ein Aufruf an alle Barbiere und Friseure der Stadt. Darin war die Suche nach einem Vollbart-tragenden Verbrecher aufgeführt. An die Friseure wandten sich die Ermittler, weil sie glaubten, dass der Täter, um sich zu tarnen das auffällige Stück wohl abnehmen lassen werde. Tatsächlich wurde der Täter, der im Hotel Adlon einen Geldbriefträger ermordet hatte, dann in Dresden wegen eines anderen Mordes gefasst und überführt.

Regina Stürickow hat 32 spektakuläre Fälle zusammengetragen

Insgesamt 32 Fälle führt die Autorin auf, beginnend in der Kaiserzeit, durch Weimarer Republik und Nazi-Deutschland hindurch bis zum Nachkriegs-Berlin. Neben der Typologie des Verbrechens bekommt der Leser auch einen Einblick in die sich wandelnden Aufklärungsmethoden, wobei offenbar auch die Persönlichkeit der Ermittler, Täter zu Geständnissen zu bewegen, eine Rolle spielt. Das erinnert dann wieder sehr an die fiktionalen Kriminalromane.

Ein reales Bild der Berliner Halbwelt

„Verbrechen in Berlin“ ist kein besonders bedeutsames Buch, es ist noch nicht einmal besonders schön gestaltet, aber es ist für denjenigen, der sich sowohl für Krimis als auch Geschichte interessiert, eine überaus unterhaltsame Lektüre. Regina Stürickow hat zahlreiche Details aus der Geschichte der Berliner Unterwelt zusammengetragen, die ein bedrückend reales Bild jener oft verklärten Halbwelt der Metropole zwischen 1890 und 1960 zeichnen.

Regina Stürickow, Verbrechen in Berlin, Eisengold, 206S. 24,95€, VÖ: September 2014

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Chicago als Krimi-Tatort: Sehenswerte Orte und gute Chicago-Krimis

Die Skyline Chicagos vom Sears-Tower aus gesehen (C) kanter
Die Skyline Chicagos vom Sears-Tower aus gesehen (C) kanter

 

Aus Sicht des Krimi-Autoren dürfte Chicago den perfekten Schauplatz für perfide Verbrechen geben. Chicago ist groß, Chicago hat eine lange Tradition des organisierten Verbrechens (Al Capone), kaum eine Stadt hat vermutlich eine ähnliche Quote von Politikern und öffentlich Bediensteten mit einer Strafakte (Unter anderen saßen drei Gouverneure im Gefängnis). Kaum eine Stadt bietet aber auch eine derart großartig-spektaluläre Architektur, die die Phantasie beflügelt.

Das fängt im Innenstadtbezirk, dem sogenannten Loop an. Dort stehen silbrig in der Sonne glänzende Bürokomplexe aus Stahl und Glas, Sinnbilder amerikanischer Wirtschaftsmacht. Aber nur eine Ecke weiter, einen Schritt hinter deren glänzende Fassade warten enge, dunkle Wände, buchstäbliche Hochhausschluchten, an deren Fuß kaum einmal ein Sonnenstrahl reicht. Dort dominieren Schmutz und Dunkelheit – auch das natürlich metaphernfähig für die US-amerikanische Gesellschaft.

Zwischen den riesigen Hochhauskolossen ducken, das Wort möchte man trotz der tatsächlichen Größe gebrauchen, die frühen, großzügig verzierten Skyskraper aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch Chicago hätte die Blaupause für Batmans Gotham City bilden können.

Den krimi-tatort-gerechten Eindruck  verstärken die schier endlosen Vorortsiedlungen, die sich am See-Ufer entlang in die Ebene erstrecken. Auch hier massenhaft bürgerliche Fassaden mit schäbigen Hinterhöfen, in denen mit allerlei alten Möbeln vollgestellte Feuertreppen, die Terrassen und Balkone ersetzen sollen, ein eher trauriges Bild des american Way of Life“ zeigen. Perfekt düstere Krimi-Stimmung überall, also.

Hier meine drei Chicago-Orte, die sich unter gleich welchem Gesichtspunkt für einen Besuch lohnen.

 

1. Der Sears-Tower

Blick nach Unten von der Aussichtsplattform des Sears-Tower in Chicago (c) Kanter
Blick nach Unten von der Aussichtsplattform des Sears-Tower in Chicago (c) Kanter

Gut, er heißt nicht mehr so, seit eine Anwaltskanzlei zum Hauptmieter wurde und das Namensrecht gleich mitgepachtet hat. Aber Willis-Tower, tut mir leid, liebe Anwälte, klingt weder gut, noch nach irgendeiner Tradition.  Jedenfalls ist das Gebäude das höchste Chicagos und war mal da höchste Haus der Welt (aktueller Rang: Platz 10).  Jedenfalls gibt es relativ weit oben eine  Aussichtsplattform, von der aus man wirklich einen großartigen Ausblick auf die Stadt und den Lake Michigan hat. Natürlich ist es eine Touristenattraktion, aber eben ein Sehenswerte. Halbwegs höhentaugliche Menschen können sich sogar auf einen vollverglasten Plexiglas-Balkon stellen und auf kleine Bauklötze zwischen den Füßen schauen. Allerdings sind diese Bauklötze selber Hochhäuser von 70-100 Meter Höhe. Der Sears-Tower bietet also einen hübschen Perspektiv-Wechsel

 

2. Die North-Western-University

Die Skyline von Chicago am Lake Michigan
Von der North-Western-University aus ist as Zentrum Cicagos weit. Das hilft beim ungestörten denken und lernen (c) Kanter

Ein gutes Stück entfernt vom Stadtzentrum liegt der Campus der North-Western-University von Chicago. Das Universitätsgelände ist erstens riesig, zweitens direkt am Lake Michigan gelegen und dritten von einer ganz besonderen, aufbruchartigen Aura umgeben. Der Besucher, auch wenn der das studentische Alter weit hinter sich gelassen hat, meint förmlich zu spüren, wie er auf dem Weg zwischen den Fakultätsgebäuden hindurch klüger wird. (vermutlich bleibt es bedauerlicherweise bei dem Gefühl). Es ist aber leicht, sich dort wohl zu fühlen, weil der Campus ein Elfenbeinturm im besten Sinne ist. Dort arbeiten Professoren, die Vergnügen haben, ihr Wissen weiter zu geben und Studenten, die durchdrungen sind von Optimismus und Leistungsbereitschaft und dem Willen auf eine bessere Zukunft. So soll das auch sein. Die Realität kommt mit dem Arbeitsleben schließlich früh genug.

 

3. „Das, wo sie den Picasso haben“

Cook-County-Gebäude in Chicago (c) Kanter
Das Platz vor dem Cook-County-Gebäude in Chicago, bekannt aus dem 80er-Jahre-Klassiker „Blues Brothers (c) Kanter

Kann einen ein kommunales Verwaltungsgebäude in stilles Verzücken versetzen? Ja, es kann. Zumindest in Chicago, wenn der Tourist zufällig auf den Vorplatz des „Cook County-Gebäudes gelangt. Das ist nämlich „das, wo sie den Picasso“ haben“. Den meisten Mitvierzigern besser als das Gebäude bekannt, wo erstens das „Blues-Mobil“ in seine Einzelteile zerfällt und zweitens Joliet Jake und Elwood in einem furiosen Finale von einer irrwitzig großen Zahl von Polizisten, Nationalgardisten und Soldaten festgenommen worden. Damit ist es eine de wichtigsten Pilgerstätte für alle Fans des überdrehten Films „Blues Brothers“, der Anfang der achtziger Jahre zumindest männliche Teen-Ager mit seiner Mischung aus Pennäler-Humor, grotesken Verfolgungsjagden und genialem Soundtrack wiederholt an den Kinosessel fesselte.

Krimis, die in Chicago spielen:

Lauren Beukes, Shining Girls, Rowohlt, 393S., 1. Februar 2014

John Grisham, Verteidigung, Heyne, 464 S.,September 2012

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Bremen, ein geeigneter Schauplatz für Kriminalromane?

Was sagt das über eine Stadt, wenn im Untersuchungsgefängnis mitten in der Innenstadt ein Biergarten zu finden ist. Nun, entweder ist diese Stadt besonders friedlich, oder besonders pleite. In Bremen trifft beides zu. So richtig kann man sich das Verbrechen hier nicht vorstellen, wenn man durch schier endlose Straßen mit „Bremer Reihenhäusern“ läuft.

Die besten Tage der Stadt sind definitiv vorbei. Vom Hanseatenstolz der Unabhängigkeit einer Bürgerschaft vom Fürstentum weht nur noch ein leises Echo durch die Stadt. Zu lange trugen die Menschen den Niedergang nach Werften- und Hafensterben auf ihren Schultern. So ist die Freie- und Hansestadt Bremen ein Ort auf der Identitätssuche. Dennoch erinnern einige Orte an die große Vergangenheit, ist vor allem an der Weser, aber auch an den Deichen am Stadtrand noch immer die Weite und die Freiheit spürbar.

Polizeigebäude und Untersuchungsgefängnis in Bremen
Polizeigebäude und Untersuchungsgefängnis in Bremen (c) Kanter

Das Untersuchungsgefängnis

Für einen ordentlichen Krimi-Tatort gehören Polizei und Strafverfolgungsbehörden einfach dazu. In Bremen liegt der Komplex überraschend zentral, zwischen Dom, Rathaus und den alten Wallanlagen. Die Bürgerschaft wollte vermutlich dem irrlichternden Volk, das mit den Schiffen aus allen Winkeln der Welt in die Stadt kam, ein unmissverständliches Signal setzen. „Mit uns ist nicht zu spaßen“ scheint das alte Polizei- und Gefängnisgebäude aus jeder Fuge zu knurren. Hoch und massiv ragt es über die umliegenden Gebäude und bildet eine langen, Straßenfront. Im Inneren befinden sich mehrere Höfe, vergitterte Fenster, schwere Türen und in luftiger Höhe massiv gesicherte Brücken. Und dann, neben der Tordurchfahrt, wirbt ein Schild für den Biergarten.

Puppenstube Bremens. Der Schnoor (c) Kanter
Puppenstube Bremens. Der Schnoor (c) Kanter

Das Schnoorviertel

Alle, die sich über den dörflichen Charakter Bremens lustig machen, waren vermutlich im Schnoor. Hier ist ein altes Quartier erhalten, dass je nach dem, wen man fragt, einst Kapitäns-, Hafenarbeiter- oder Handwerkerviertel war. Heute sind in den puppenstubenartigen, scheinbar kaum kniehohen  Häuschen in verwinkelten Gassen Cafés,Kunsthandwerker und kleine Geschäfte. Immerhin reicht die Geschichte des Viertels weit in die Vergangenheit zurück und ist schön anzuschauen. Das Ganze hat deutlich mehr Flair als die düstern-backsteinroten Fassaden der ebenfalls berühmten Böttcherstraße oder etwa die 70er-Jahre-Zweckbauten der einschlägigen Einkaufsstraßen.

Ehemaliger Speicher an der Weser (c) Kanter
Ehemaliger Speicher an der Weser (c) Kanter

Ein Hauch von Gotham

Wer von der Weser-Promenade, auch Schlachte genannt, auf die andere Fluss-Seite blickt, entdeckt dann doch noch ein Hauch von Gotham-City. Ein alter Wasserspeicher scheint zumindest hinreichend düster, um als Start- und Landeplatz für den Fledermaushelden herhalten zu können. Dass in der Stadt kein Unglück passiert, dafür sorgen in Bremen allerdings ganz andere. In unmittelbarer Nachbarschaft ist die Zentrale der DGzRS. Hinter dieser Abkürzung, die deutlich vor Zeiten medialer Selbstdarstellung entstand, verbirgt sich die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Von Bremen aus werden Rettungseinsätze auf allen deutschen Gewässern – und wenn es sein muss, auf allen Weltmeeren – koordiniert. Die DGzRS unterhält dazu eine ganze Flotte von Rettungskreuzern an der Küste. Alle durch Spenden finanziert. Deshalb also ausnahmsweise mal der Aufruf: Spenden! Und das das geht hier, bei den „Seenotrettern“.

Wer ansonsten mal Düsternis in Bremen braucht, begebe sich vor die Tore der Stadt. Hier gibt es noch immer kilometerlange Deichwege vor Überschwemmungs- und Marsch-Wiesen, von denen aus man bis zum Horizont einfach mal nichts sieht (abgesehen von trinkenden Boßel-Gruppen und agilen Rentner zu Rad vielleicht) Insbesondere an stürmischen Herbsttagen macht sich hier Einsamkeit und damit gruselige Krimistimmung breit.

Bremen-Krimis:

Rose Gerdts: Schattenschmerz

Rose Gerdts, Morgengrauen




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Ian Rankins Edinburgh für Krimifreunde – Drei Tipps

Wenn an ersten Herbsttagen der gemeine Mitteleuropäer bereits nach seiner Winterjacke kramt, trotzt der Schotte dem schneidenden, über die Nordsee heranjagenden Wind lächelnd im T-Shirt.  So war das zumindest bei meinem letzten Besuch in der Stadt im Norden der britischen Insel. Insgesamt bietet sich dem Besucher viel Leben auf den Straßen und eine interessante Mischung aus mittelalterlich anmutenden verwachsen aneinander drängenden Mauern, hochherschaftlichen viktorianischen Stadthäusern und den typischen kompakten Arbeitersiedlungen.

Edinburgh ist zugleich die Heimat des großartigen John Rebus. Das ist der Detektiv, den sich der Schotte Ian Rankin vor mittlerweile einem guten Viertel Jahrhundert erdacht hat. Da Rebus jetzt nach einer längeren Pause wieder auf Mörderjagd geht, will ich meine kurzen Eindrücke seines „Fanggrundes“ schildern. Hier also meine drei Edinburgh-Orte aus eigener Anschauung

Edinburgh Castle – Das Neuschwanstein des Nordens

Edinburgh vom Edinburgh Castle aus gesehen
Edinburgh vom Edinburgh Castle aus gesehen © Kanter

Vermutlich ist der Vergleich mit dem märchenhaft konstruierten, gertenschlanken Schloss Neuschwanstein gewagt, aber das gedrungene Edinburgh Castle thront mindestens genauso selbstbewusst über der Stadt wie Ludwigs Traumhaus. Vor allem aber ist es mindestens ebenso überlaufen und ähnlich abschreckend effektiv organisiert.

Ja, man kann das Schloss besichtigen: Das ist nicht ganz billig und ziemlich wuselig. Auch die für Touristen herangekarrten „Mel Gibson-William Wallace“-Schotten, die in historischen Kostümen kleine Szenen aufführen, sind eher anstrengend, aber dennoch lohnt sich der Besuch. Erstens ist das Schloss ein Nationalheiligtum und zweitens gibt es von abgelegenen Schießscharten aus einen großartigen Blick über die Dächer der Stadt – und so mitten im Trubel einen beinahe meditativen Augenblick

Tauchbad in die Vergangenheit: Die Old Town

Straße in der Old Town von Edinburgh © Jan Kanter
Straße in der Old Town von Edinburgh © Jan Kanter

Touristenfalle Teil2. Grassmarket und die angeschlossenen Gassen sind ist eine mittelalterlich anmutendes Viertel am Fuße des Schlossberges im älteren Teil der Stadt (Edinburgh hat eine Old Town und eine New Town, der Rest zählt offenbar nicht). Auch hier schieben  sich die Touristen entlang, aber sie drängen sich eben an einigen der ältesten Pubs der britischen Inseln vorbei. Und wer kann sich schon der besonderen Pub-Atmosphäre mit klebrigem Tresen, klingelnden Spielautomaten und dröhnendem Fernsport entziehen, wenn das Bier Pint-weise ausgeschenkt wird.

Mums – Ein perfektes Diner

Mums Diner in Edinburgh © Kanter
Mums Diner in Edinburgh © Kanter

Essen wie bei Muttern ist bei Deutschland der einfachste Slogan, der mich zu einem weiten Bogen um ein Restaurant treibt. Bei Mums in Edinburgh ist das ganz anders. Eingerichtet im schlichten Diner mit nur teils standfesten Stühlen und dem Retro-Design der späten fünfziger Jahre, serviert das Team hochwertige britische Hausmannskost, Burger mit Pommes, Sausages, Pie und andere eher schlichte Gerichte. Der besondere Spaß liegt in der Qualität der Zutaten und insbesondere der Leidenschaft, mit dem das eher studentisch-herumtreiberisch wirkende Personal die Gerichte an den Mann bzw. auf den Tisch bringt. Wer die Muße hat, kann sich ja die Anekdoten über die Hausbrauerei erzählen lassen.

 

Mehr Texte über Schottland gibt von mir gibt es auf der Schottlandseite des Reiseportals my-Entdecker.de



Thalia.de

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Berliner Orte für Krimifans: Drei Tipps und eine Liste

Berlin bietet zahlreiche geeignete Schauplätze für Krimihandlungen. Hier drei ganz persönliche Berlin-Tipps: Außerordentliche Orte, die sich zum Schauen und Wohlfühlen eignen – und die sich Krimi-Freunde auch als Kulisse für finstere Szenen denken können. Für Berlin-Besucher, die keine Lust haben, dicke Reiseführer zu wälzen, außerdem noch eine Liste mit besprochenen Krimis aus der Stadt, auf deren Spuren sich möglicherweise ganz neue Berlin-Perspektiven ergeben.

 

Gewöhnungsbedürftige Schönheit: Der Gesundbrunnenkiez

Schön geht anders. Rund um das ultramoderne Gesundbrunnen-Center gruppieren sich Berliner Wohnhäuser aus der Gründerzeit und typische architektonische Scheußlichkeiten der sechziger und siebziger Jahre. Ein buntes Völkergemisch treibt sich auf den Straßen. Zumindest an sonnigen Wochenendtagen scheint die multikulturelle Idee hier noch zu funktionieren. Es gibt unter anderem türkisch, vietnamesisch und polnisch besiedelte Straßenzüge, was sich auch in Geschäften und Restaurants niederschlägt. Das Gesundbrunnenviertel, Bestandteil des Arbeiterviertels und Armenquartiers Wedding, ist ein Kiez von Gegensätzen: Islamische „Kultur“-Vereine, in denen sich streng gläubige Moslems treffen wechseln sich in den Fassaden mit Wettbüros in denen allerlei zwielichtiges Volk auf Pferde und Fußballteams aus aller Welt setzt. Auch die Döner-Bude und die heruntergekommene Hertha-Eckkneipe leben in einem Kiez dessen Bewohner zum größten Teil Migrationshintergrund haben, in friedlicher Koexistenz. Letztlich hat sich das Gesundbrunnenviertel, das einst als Amüsierviertel ums Sophienbad entstand, seinen Charakter bis heute bewahrt. Hier steht vermutlich auch die Wiege des leicht prolligen, latent großmäuligen und  gelegentlich  halbseidenen Berlins.

 

Das Neue Museum ist das perfekte Labyrinth für Regentage

Das Neue Museum: Es gibt in Berlin eigentlich nichts, was nicht benörgelt wird: Das gilt auch für das Neue Museum – und vor allem für seine Sanierung. Dabei ist dem Architekten David Chipperfield schlicht eine sensationelle Rekonstruktion des in der Blütezeit des deutschen Klassizismus vom Architekten Friedrich August Stühler entworfenen Baus gelungen. Der Architekt hat dort, wo nichts mehr stand, sehr moderne, schlichte Elemente eingesetzt und gleichzeitig die Reste des ursprünglichen Baus erhalten. Das gilt auch für Wandverzierungen und Farben. Wer sich ein wenig für Geschichte und alte Kulturen interessiert, kann an verregneten Herbsttagen sich stundenlang in den verschiedenen Ausstellungsräumen verlieren – auch ohne sich durch die Menschentrauben in Nofretetes Wohnzimmer zu schieben.

 

Poserfreie  Zone: Das Prater-Restaurant

Der Prater: Im Sommer wird es im Prater schon mal unerträglich- wie eigentlich beinahe überall, wo viele Menschen aufeinandertreffen. Im Sommer ist der Prater Biergarten, obgleich mit großer Tradition, doch meist vom üblichen Neuberliner Volk belagert. Ständig gut gelaunte Agentur-Kreative mit Iphone und sorgfältig zurückgegeltem Haar rangeln mit alternativen Kampfmuttis mit Designerkinderwagen um die besten Plätze an den Biertischen. Dazwischen verlieren sich gelegentlich noch alte Ost-Intellektuelle, die alles besser wissen.

Im Winter jedoch bleibt der Biergarten dunkel. Den Eingang zum Prater-Restaurant erhellen allein die Sterne und der Barackenartige Holzbau strahlt insbesondere an frostigen Abenden ein altmodisch-warmes Licht aus. Im Innern setzt sich der Eindruck fort. Der Innenraum mit Einrichtung und Charme eines gründerzeitlichen Bahnhofs widerstand bislang jeglichen Moden und kommt ohne jeden Designer-Schnickschnack aus.

Die Speisekarte ist schlicht, das Essen solide, aber wenig aufregend. Es ist ein Ort für Gespräche oder zum Nachdenken, kein Raum für Poser oder Romantiker. Genau das macht den Prater so angenehm.

 

tatort:berlin

Kommissar Bernie Gunther muss sich wieder Bösewichter aus der Nazi- und der Nachkriegszeit auseinandersetzen.  Dazu kehrt er in „Mission Walhalla“ nach längerer Zeit wieder in seine Heimatstadt Berlin zurück.

Philip Kerr, Mission Walhalla, Wunderlich, 19,95 €

 

Kreuzberg und Neukölln sind das Jagdrevier des Federmannes, einem psychisch gestörten Serienmörder.  Max Bentow setzt die Hatz auf den kranken Geist fesselnd in Szene

Max Bentow, Der Federmann, Page&Turner, 14,99€

 

Uwe Klausner hat rund um den Bau der Berliner Mauer einen Roman geschrieben, der versucht, Geschichtsbuch und Thriller zugleich zu sein. Zumindest das erste gelingt dem “Kennedy-Syndrom“ gelegentlich recht unterhaltsam

Uwe Klausner, Kennedy-Syndrom, Gmeiner, 11,90 €

 

Die junge Notärztin Ella Bach wird zu einem Einsatz in Kreuzberg gerufen. Dort findet sie schwer misshandelte Frau. Doch es gibt keine „Erlösung„. Im Krankenhaus kommt ihr die Patientin abhanden. Bei der Suche begibt sich die Nachwuchsärztin in Gefahr.

C.C. Fischer, Erlösung, Blessing, 19,95 €

 

Erich Kästner schrieb ein Kinderbuch und schuf einen Krimi-Klassiker. In „Emil und die Detektive“ jagen Berliner Pennäler einen gemeinen Gangster, der das Landei Emil Tischbein gemein bestohlen hatte. Der Kinderkrimi hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Erich Kästner, Emil und die Detektive; Dressler Verlag, 12 €