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Ein drolliges Universum: Colin Cotterills „der fröhliche Frauenhasser“

Colin Cotterill schickt seine Leser jedes Mal auf eine Reise in eine andere, vergessen geglaubte, skurrile Welt. Seine Krimi-Serie um den laotischen Pathologen Dr. Siri hat der Brite in die siebziger Jahre verlegt, als Steinzeitkommunisten das Land mit aller Kraft ins Chaos zu stürzen versuchten. Und,  so weiß man nicht nur aus der Geschichte, so liest man mit viel Vergnügen auch bei  Cotterill.

Colin Cotterill Auf angenehm altmodische Weise unterhaltsam

Zwei Besonderheiten lassen die Romane rund um Dr. Siri zum besonderen Vergnügen werden. Cotterill hat ein wahrhaft lustiges Panoptikum an Personal versammelt und er schildert das Leben unter den Schwingen einer allerdings sehr lendenlahmen Revolution überaus unterhaltsam.  Aus beidem, fiktiven Charakteren und real existierendem Wahnsinn, konstruiert Colin Cotterill wie schon in „Die Tote im Eisfach“ ein Universum, das am besten als „drollig“ zu bezeichnen ist, aber im besten Sinne. Das ganze ist jedenfalls auf eine angenehm betuliche, beinahe altmodisch Weise unterhaltsam. Das gilt auch für „Der fröhliche Frauenhasser“.

Pathologe, Hobbydetektiv, Schamane

Eines Tages bekommt Dr. Siri, der sich mal wieder mit den laotischen Behörden, ungnädigen Funktionären und allerlei Alltagssorgen rumärgern muss, eine Frauenleiche in sein Labor gebracht.  Der einzige Pathologe des Landes entdeckt schnell, dass ein besonders grausames Verbrechen passiert ist. Ein offenbar Geistesgestörter lauert Frauen auf. Da Dr. Siri nicht nur Arzt ist, sondern auch begeisterter Detektiv – und den Schamanen natürlich wieder die Geister drängen – beginnt er mithilfe seines Partners, dem Polizisten Phosy mit den Nachforschungen. Das aber soll ihn schnell selber in Gefahr bringen.

Krimi und Parabel

Natürlich ist „Der fröhliche Frauenhasser“ in erster Linie ein unterhaltsamer Kriminalroman, wer will kann den Stoff aber durchaus metaphorisch sehen. Gerade dadurch, dass Cotterill seine Handlung in ein fernes Land in einer überwunden geglaubten Zeit verlegt und einen spielerischen Ton pflegt, kann er quasi im Vorübergehen Autoritäten, Behördenwahn und totalitäre Tendenzen entlarven. Das ist auch im sechsten Band noch lesenswert.

 

Tatort:Laos

Im Prinzip knüpft Colin Cotterill dort an, wo er in „Die Tote im Eisfach“ aufgehört hat: Er beschreibt eine exotische Welt mit für Mitteleuropäer denkbar fremden Kulturen. Auch das macht seine Krimis so reizvoll. Natürlich hat sich Laos seit den siebziger Jahren verändert, aber die Menschen und ihre über Jahrhunderte gewachsene Lebensweise, die auch Diktaturen und Technokraten nicht zerstören konnten, sind beinahe unverändert durch die Nachkriegsjahrzehnte gegangen. Insofern bleibt Cotterill aktuell.

Colin Cotterill, Der fröhliche Frauenhasser, Manhattan, 320S.,17,99€,  VÖ: Juni 2013

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Colin Cotterils neuer Krimi ist ein reichlich durchgeknallter Stoff

In Laos sind die Mörder nicht sehr zimperlich. Sie verstecken Handgranaten in Leichen, vergiften Cashew-Kekse und lassen sich auch sonst allerlei Gemeines einfallen, um andere Menschen aus dem Leben zu befördern. Die meisten dieser Anschläge gelten dem einzigen Leichenbeschauer des Landes, Dr. Siri, und seinem Team. Da der Herr der Pathologie von Vietnante auf Reisen ist, müssen sich seine Assistenten und Freunde der feigen Mordanschläge erwehren.

Der greise Pathologe selber wird nach der Reise zu einem Parteikongress von Angehörigen des Hmong-Volksstammes entführt, die dringend eines Schamanen zur Austreibung von Dämonen beziehungsweise zur Rettung von Seelen bedürfen. Da Dr. Siri vielseitig begabt ist, hilft er als Geistheiler wider Willen auch hier.

Schräge Zeitreise ins kommunistische Laos

Colin Cotterill hat mittlerweile bereits das fünfte Abenteuer um den wackeren Pathologen erdacht, der sich im kommunistischen Laos der 70er Jahre linientreuer Funktionäre und ruchloser Verbrecher erwehren muss – es ist bislang nicht ausgemacht, welche von beiden die schwärzere Seelen haben.

„Die Tote im Eisfach“ heißt der neueste Band des Briten und ist, kurz gesagt, eine reichlich durchgeknallte Angelegenheit. Die Geschichte schwankt zwischen liebevoll drolliger Posse in einem kommunistischen Albtraum und psychedelischem Ausflug eines Teilzeit-Schamanen in andere Bewusstseinsebenen. Cotterill denkt sich in beiden Teilen jedenfalls immer wieder außerordentlich unterhaltsame Details aus, so dass es sich bei den Dr.-Siri-Krimis im Grunde mehr um fröhliche Satiren als um ernsthafte Kriminalromane handelt.

Ein lohnenswerter Sommerkrimi

Ihre Wucht verliert „Die Tote im Eisfach“ ein wenig dadurch, dass die antikommunistische Streitschrift von einem Briten sozusagen aus sicherer Distanz geschrieben wurde, sowohl örtlich, zeitlich als auch von den Lebensumständen. Auch wenn Colin Cotterill sich die Welt angeschaut und eine Weile in Laos gelebt hat, blickt der gebürtige Londoner doch mit dem Auge Wohlstandseuropäers auf die Welt. Das nimmt seiner grundsätzlich erheiternden Kritik einiges an Origianlität. Dennoch ist auch dieser von Thomas Mohr übersetzte Roman um Dr. Siri eine gute, sogar lohnenswerte Lektüre, vielleicht der richtige Last-Minute-Krimi für den Sommerurlaub, für Leser, die etwas Leichteres suchen, sich ihren Strandurlaub nicht mit allzu schwerer Kost belasten wollen

 

Tatort:Laos

Zu den stärksten Momenten der „Toten im Eisfach“ gehören die Schilderungen rund um den Volksstamm der Hmong, einem Bergvolk, dass von den kommunistischen Herren, aber auch von den wechselnden Herrschern zuvor, permanent schikaniert und verfolgt wird. Colin Cotterill hat sichtlich ein Herz für diese Nomaden zwischen allen Systemen, So geht er ausführlich auf deren Lebensweise, ihr Kultur und ihre spirituelle Welt ein. Natürlich hält der Brite bei aller Zuneigung die ironische britische Distanz, so dass jegliche Kitsch-Gefahr ausbleibt. Durch diese Beschreibungen, den Tatort im fernen Laos und der Rückblick in de Hochzeit des Kalten Krieges gerät der überaus unterhaltsame (und auch so gemeinte) Krimi unversehens zum Bildungsroman über eine beinahe vergessene Welt.

Colin Cotterill, Der Tote im Eisfach, Manhatten, 284 S., 19,99€

 VÖ: Juni 2012