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Jeffery Deavers Der Giftzeichner: Ein Thriller als Familientreffen

Jeffery Deaver hat einmal damit begeistert, dass er mit Abstand die raffiniertesten Plots erdacht hat, seine Leser zusagen immer auf den Zehenspitzen hielt, weil sie jederzeit überraschenden Wendungen gewahr sein mussten. Diese Zeiten sind knapp 20 Jahre nach dem Sensationserfolg „Der Knochenjäger“ vorbei. Bei seinem jüngsten Krimi „Der Giftzeichner“ hatte ich das erste Mal das Gefühl, den Verlauf vorhersehen zu können. Es bestätigte sich mehrfach dieses „das war bestimmt….-Gefühl.

Erneut ein spannender Krimi von Jeffery Deaver

Das heißt ausdrücklich nicht, dass „Der Giftzeichner“ ein schlechter Krimi wäre. Ganz im Gegenteil. Deaver-Neulinge und eingefleischte Fans werden bei einem spannend aufgeschriebenen Krimi auf ihre Kosten kommen. Denn Jeffery Deaver beherrscht sein Handwerk und komponiert wieder jede Menge gruselige Szenen zu einer atemberaubenden Verfolgung.

Der „Giftzeichner“ mordet mit tödlichen Tattoos

Das wohl bekannte Ermittlerteam um Lincoln Rhyme und Amelia Sachs hat es natürlich wieder mit einem Serienmörder zu tun. Dieser entführt seine Opfer und tötet sie mit giftigen Tattoos auf besonders grausame Weise. Die Tattoos, so wird schnell klar, sind Botschaften an die Ermittler, mit denen der Mörder sein perfides Katz- und Mausspiel beginnt.

Ermittlungen im New Yorker Untergrund

Wie im Rhyme-Sachs-Debüt „Der Knochenjäger“ geht es wieder in den New Yorker Untergrund. Der Unterbauch der Metropole bietet genügend verschlungene Pfade und Katakomben für jede Menge Gewaltverbrechen und klaustrophobische Anfälle – für Ermittler wie Leser.

Verbindungen zum „Knochenjäger“

Relativ früh wird klar, dass es eine Verbindung zu einem Täter vergangener Zeiten geben muss. Das ergibt die Auswertung forensischer Funde vom Tatort. Lange Zeit, das gehört sich für einen Thriller so, scheinen die Ermittler immer einen Schritt zu spät zu kommen, während die Zahl der Opfer stetig zunimmt.

Ein Familientreffen mit Lincoln Rhyme und Amelia Sachs

Auch der elfte Fall um das Duo Rhyme/Sachs bietet also trotz des Déjà vu wieder gute Krimi-Unterhaltung, vielleicht sogar gerade deshalb. Die beiden Ermittler sind einem mittlerweile so vertraut, dass ihre literarische Rückkehr so eine Art Familientreffen darstellt, auch bei Plot und Gruselfaktor gilt der steinalte Satz der Waschmittelwerbung: „Da weiß man, was man hat“. Das ist nicht innovativ, nicht aufregend neu, aber immer wieder unterhaltsam. Und von einem Krimi erwartet man ja oft genau das.

Jeffery Deaver, Der Giftzeichner, Blanvalet, 571S., 19,99€, VÖ 14. September 2015

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Jeffery Deavers Todeszimmer: Spannung mit einem schwer erträglichen Rechtsempfinden

Jeffery Deaver ist offen gestanden einer meiner „Helden“. Der Amerikaner hat mich jedenfalls Mitte der neunziger Jahre das erste Mal mit seinen ungemein raffinierten und extrem spannenden Plots beeindruckt. Kaum jemand konnte meiner Meinung nach in jenen Jahren vergleichsweise fesselnd schreiben. Dass ich mit einer niederländischen Variante des „Bone Collector“ einige Jahre später die schöne Sprache unserer Nachbarn gelernt habe, gehört vermutlich nicht hierher, zeigt aber meine besondere Verbundenheit mit diesem Autor.

 Jeffery Deaver schreibt weiterhin extrem fesselnd

Jetzt hat Jeffery Deaver den neuesten Band seiner Lincoln-Rhyme-Reihe veröffentlicht. Für alle Fans des Autoren: Ja, er hat es mal wieder geschafft. Auch der neueste Band ist so stark verdichtet, dass er diese Qualität besitzt, den Leser für Stunden auf Sofa, den Küchenstuhl, das Mäuerchen vor dem Café (oder wo immer sich der bevorzugte Leseplatz befindet) zu bannen, sodass jede noch so kleine Unterbrechung als störend empfunden wird.

Mord im Auftrag der Regierung

Darum geht’s: Auf den Bahamas geschieht ein Mord. Ein Kritiker der USA, der alternative Projekte unterstützt, wird erschossen – und zwar mit Billigung amerikanischen Behörder, so viel ist von vorneherein klar. Offenbar, so vermutet eine New Yorker Staatsanwältin, war diese Hinrichtung nicht rechtens, weil das Opfer unschuldig sein könnte. Deshalb beauftragt die Juristin den forensischen Experten Lincoln Rhyme mit Ermittlungen. Gemeinsam mit seiner Partnerin Amelia Sachs und dem gemeinsamen Team machen sich die beiden an die Arbeit. Schnell gewinnen die beiden Erkenntnisse, die nicht ganz ungefährlich sind: 1. Die Spur reicht bis nach Washington, möglicherweise sogar bis zum Präsidenten, 2. Es gibt noch weitere Mordbefehle, 3. Der Gegner ist gefährlich und rückt ihnen selber auf den Pelz und 4. Alle möglichen Finsterlinge behindern die Ermittlungen. Natürlich gelingt den Ermittlern am Ende die Aufklärung.

„Todeszimmer“ funktioniert nur auf einer emotionalen Ebene

Das ist wie gesagt, sehr spannend und routiniert aufgeschrieben. Jeffery Deaver gelingt es, trotz des Seriencharakters seiner Lincoln-Rhyme-Thriller, immer wieder neue Facetten in den jeweiligen Fortsetzungen unterzubringen. Und jetzt kommt die schlechte Nachricht: Offen gestanden funktioniert der neueste Band „Todeszimmer“ nur auf einer emotionalen Ebene. Man liest den Plot so weg, mag die seit Jahren bestens vertrauten Figuren, folgt der atemlos vorangetriebenen Handlung und ertappt sich dabei, zwischendurch zustimmend zu nicken. Eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema löst, sobald man das Buch ausgelesen hat, dann gelinde gesagt Schrecken aus.

Die Hinrichtung als akzeptable Prävention

Es scheint, wenn man Deaver folgt, grundsätzlich richtig zu sein, dass US-Behörden gezielt Menschen umbringen, wenn sie eine Bedrohung darstellen. Die Angelegenheit muss nur nach Recht und Gesetz geschehen, dann geht der Mord zur Verbrechensprävention schon in Ordnung. Auch deshalb, weil die USA eigentlich ausschließlich von Terroristen umgeben sind: Selbst Bürgerrechtler, die sich um Mikro-Kredite und Bildung für Unterprivilegierte kümmern, haben letztlich nichts anderes im Ziel, als aufrechte Amerikaner anzugreifen. Deaver scheint dem omnipräsenten Verfolgungswahn seiner Landleute verfallen. Auch deshalb dreht der Autor – Achtung „Spoiler Alert“ – vermutlich seinen Plot im übrigen so, dass diejenigen, die vermeintlichen Opfer am Ende doch nichts anderes als verhinderte Bösewichte waren – die selbstverständlich den Tod verdienen. Diese Botschaft quillt trotz mannigfaltiger anderer Handlungsstränge (größenwahnsinniger Waffenhändler, geisteskranker Serientäter) nur mäßig subtil verpackt aus beinahe jeder Seite des Buches.

Der Zwang zur neurotisch-politischen Korrektheit

Man ist geneigt zu glauben, und das zeigt das gesamte Dilemma der aktuellen transatlantischer Beziehungen, dass Jeffrey Deaver diese Wendung möglicherweise nur deshalb eingeführt hat, um nicht am Ende noch wegen seines Thrillers unpatriotischer Gedanken verdächtig zu sein, und das ist in den USA der Gegenwart so förderlich für Karriere, soziales Ansehen oder Verkaufszahlen wie der Verdacht, man habe als Restaurantbesitzer irgendwann mal einen sehr entfernten Cousin Osama Bin Ladens bedient. Die Verhältnisse in den USA müssen stimmen: Gut bleibt gut, und böse bleibt böse. Das erinnert an fatal die Zeiten eines McCarthy, nur eben ohne McCarthy.

Insofern liefert Deaver nur ein paranoid-reaktionäres Werk ab – und das ist bei aller bisherigen Sympathie nur schwer zu ertragen.

Jeffery Deaver, Todeszimmer, Blanvalet, 607S., 19,99€, VÖ: 28. Juli 2014

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Jeffrey Deaver führt wieder gekonnt seine Ermittler und Leser in die Irre

Die Helden von heute haben nur noch selten übernatürlich Kräfte. Ihre Fähigkeiten verdanken sie mesit einer ganz besonders guten Ausbildung. Das gilt für Lincoln Rhyme, der den Naturwissenschaften vertraut, das gilt aber auch für Kathryn Dance, die den menschlichen Geist entziffert. So gesehen wären Universitäten die Brutstätte für Superhelden. Diese Annahme aber ist derart unglaubwürdig fantastisch, dass sie die perfekte Grundlage für Fiktion ist, auch ohne das radioaktive Spinnen beißend für Superkräfte sorgen.

Eine überraschende Begegnung für Kathryn Dance

Kathryn Dance und Lincoln Rhyme sind Geschöpfe von Jeffrey Deaver, der die beiden abwechselnd auf Verbrecherjagd an der Ost- beziehungsweise der Westküste der Vereinigten Staaten von Amerika schickt. (Eine Ausnahme war ein Abstecher in den Geheimdienst. Deaver verfasste auf Bitten der Bond-Macher den James Bond „Carte Blanche“.)Diesmal ist wieder Kathryn Dance an der Reihe. „Die Angebetete“ führt die Polizistin in die Provinz- und Arbeiterstadt Fresno. Dort sucht sie unbekannte Musiker für ihre persönliche Webseite (der Mensch braucht schließlich ein Hobby) und trifft auf einen Star.

Ein Stalker tyrannisert in „Die Angebetete“ einen Country-Star

Country-Sternchen Kayleigh Towne ist für ein Konzert in ihre Heimat zurückgekehrt und versucht einen unheimlichen Stalker abzuwehren, der der jungen Frau auf Schritt und Tritt folgt. Etwas verbotenes hat Edwin Sharp bislang noch nicht gemacht, weshalb die Sängerin ihren „Verehrer“ nicht los wird. Brenzlig wird es, als im Konzertsaal ein Mord passiert. Ein Roadie und Vertrauter Townes landet im „Orchestergraben“. Die lokalen Behörden vermuten einen Unfall, Kathryn Dance, die mehr oder weniger in ihrer Freizeit in den Fall stolpert, erkennt jedoch schnell: Es war Mord.

Amtshilfe von Lincoln Rhyme aus New York

Die Ermittlungen treten auf der Stelle, die Angriffe auf den Country-Star jedoch nicht. Die Einschläge kommen, wie man so sagt, näher. Erst der Tatortermittler Lincoln Rhyme bringt gemeinsam mit seiner Partnerin Amelia Sachs die Tätersuche voran. Wie so häufig, wenn sich Rhyme in Fälle einschaltet, wird klar, dass nicht nur der erste Eindruck trügt.

Erneut großer Lesespaß bei Jeffrey Deaver

Mittlerweile sind Lincoln Rhyme, Amelia Sachs und Kathryn Dance, die das Universum von Jeffrey Deaver bevölkern, gute alte Bekannte. Es ist vermutlich eine gute Idee, die Charaktere abwechselnd in den Vordergrund zu rücken. Der erste Fall Rhymes liegt mittlerweile immerhin auch schon wieder 16 Jahre zurück. Dass keine Langeweile aufkommt, liegt in erster Linie an dem genialen Talent Deavers, immer wieder überraschende, bei aller Spannung enorm komplexe Plots zu erdenken. Gleich, was man an Charakterzeichnung oder Unglaubwürdigkeiten bei Lebensläufen kritisierten mag, Deaver schafft es immer wieder, seine Leser zu überraschen. Wer sich auf das Spiel „Täterraten“ einlässt, wird beinahe immer verlieren. In dieser Hinsicht nimmt Jeffrey Deaver eine absolute Ausnahmestellung unter den Krimi-Autoren der Welt ein. Dieser Position wird er auch in „Die Angebetete“ wieder gerecht. Also wieder großer Lesespaß bei Deaver

Tatort: Fresno

Wenn man den Schilderungen Jeffrey Deavers folgt, ist Fresno das absolute Provinzkaff, ein kleines Arbeiterörtchen mitten im Nirgendwo. Wenn man den Fakten glaubt, kann das nicht ganz stimmen. Fresno, mitten in Kalifornien gelegen, hat immerhin über eine halbe Millionen Einwohner, zählt zu den fünf größten Städten Kaliforniens. Dennoch hat Fresno wenig Glamouröses. Das mag auch daran liegen, dass es anders als die prominenten Schwestern nicht aufs Meer blickt. Kurz vor den Bergketten und Nationalparks im Osten des US-Bundesstaats liegt eines der größten Massenweinanbaugebiete der Welt – und mittendrin Fresno. Den rauen Charme mit einer deutlich verwitterten, dem Verfall ausgesetzten Fassade, die einst bessere Tage gesehen hat, schildert Deaver quasi im Vorübergehen.

Jeffrey Deaver, Die Angebetete, Blanvalet, 572 S.,  19,99€

VÖ: 22. April 2013

 





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