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Klaus Jägers Rennsteig-Schwalben, Detailverliebter Thüringen-Krimi mit unglücklichem Titel

Ein Stück Heimatkunde. Ein Krimi aus Thüringen, geschrieben von einem Kollegen. Als Krimi-Blogger schreibe ich darüber auch für die Thüringer Allgemeine. Hier mein Text über Rennsteig-Schwalben, den Text von Klaus Jäger.

Lokalreporter Peter Hartmann ermittelt gegen Mädchenhändler

Peter Hartmann ermittelt wieder. In seinem jüngsten Fall muss sich der wackere Reporter mit einem brutalen Mädchenhändlerring auseinandersetzen. Das merkt der Mann aber erst als der Polizei sehr öffentlichkeitswirksam eine Leiche abhanden kommt. Weil dabei die beiden Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens regelrecht hingerichtet werden, wird dem Reporter genau wie der Polizei schnell klar, dass der Tod des Mannes weit mehr ist als ein mysteriöser Unfall.

Klaus Jäger zeigt in Rennsteig-Schwalben Liebe zum Detail

Klaus Jäger, Journalist bei der Thüringer Allgemeinen hat den Krimi „Rennsteig-Schwalben“ geschrieben und zeigt wieder viel Gefühlt für Lokalkolorit. Auch wenn der Riedburg, Ort der Handlung erfunden ist, wird Thüringen aber Erfurt, das vermutlich Vorbild für den fiktiven Ort ist, auf beinahe jeder Seite spürbar. Wenn man Jäger eines vorwerfen kann, ist es vielleicht die journalistische Ausbildung. Wie viele seiner krimi-schreibenden Kollegen liebt er die Recherche und die Details, beides für das Tagesgeschäft wichtig. Freunde eines hohen Krimi-Tempos werden die vielen liebevoll erzählten Details auf dem Weg zu einem ordentlichen Show-down vielleicht als bremsend empfinden, wer die Genauigkeit liebt, wird voll auf seine Kosten kommen.

Thüringen-Krimi mit problematischem Titel

Ich persönlich hätte übrigens noch einen anderen Titel gewählt, Rennsteig-Schwalben suggeriert einen heiteren Umgang mit dem Thema Prostitution. Das ist ja schon grundsätzlich eher problematisch, insbesondere aber, wenn es um junge Frauen und Mädchen geht, die dem Plot zufolge unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aus Weißrussland nach Deutschland gelockt und dann mit Gewalt dazu gezwungen werden, sich zu prostituieren. Hier hat die Vermarktung (Der Autor entscheidet so was höchstens mit) kein besonders glückliches Händchen bewiesen.

Über seinen Krimi habe ich mit Klaus Jäger für die Thüringer Allgemeine gesprochen. Das Ergebnis steht hier: http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Klaus-J-228-ger-58-8222-Ich-liebe-es-44-Bilder-zu-erzeugen-8220-1183828313

Klaus Jäger, Rennsteig-Schwalben, Emons, 272S., 10,90€, VÖ: 17. September 2015

Hinweis: Klaus Jäger ist Mitarbeiter der Thüringer Allgemeine, so wie auch ich. 

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Dominique Horwitz Tod in Weimar: Ein vielschichtiger Kriminalroman

Roman Kaminski führt ein eigentümliches Leben. Er schlägt sich in Weimar als Kutscher und Stadtführer durch. Gemeinsam mit seinen Pferden haust er in einem verfallenen Gutshaus vor den Toren der Stadt, das er von seinen Eltern erbte. Seine Routine wird von drei Frauen durchbrochen: Erstens von der halbstarken „Frettchen“, einer ausgestoßenen Jugendlichen, die gelegentlich bei ihm Schutz sucht. Zweitens von der opulent-sinnlichen Trixi Muffinger, Leiterin der Villa Gründgens, einem Heim für Schauspieler jenseits des Rentenalters. Und drittens, Laura, die der Wilhelm Meister Schänke, zu deren Stammgästen Kaminski gehört.

Mord im Heim für alternde Schauspieler

Der eher aushaltbare als grandiose Alltag des ehemaligen Schauspielers Kaminski wird jäh gestört, nachdem es in der Villa Gründgens innerhalb weniger Tage gleich mehrere Tote gibt. Vom jungen, ehrgeizigen Kommissar Marc Westphal gedrängt, wird der Wessi in Weimar eher unfreiwillig zum Privatdetektiv – und entdeckt zunächst eine Menge gut verborgener Geheimnis und am Ende natürlich auch den Täter.

Tod in Weimar, der erste Roman von Dominique Horwitz

„Tod in Weimar“ heißt der Krimi, geschrieben von einem nicht ganz unbekannten „Berufsanfänger“. Dominique Horwitz hat seinen ersten (Kriminal-)Roman geschrieben  – und das hat er gut gemacht. „Tod in Weimar“ überzeugt mit interessanten Figuren, einer geschickt verborgenen komplexen Motivation für eine Mordserie, die in einem veritablen Showdown mündet.

Eine angenehme Abwechslung

Dominique Horwitz bleibt dabei dicht bei seinem Protagonisten, dem Kutscher Roman Kaminiski. Offen gestanden ist es eine angenehme Abwechslung dass der schreibende Schauspieler nicht der derzeitigen Thriller-Mode folgt, die vorsieht, dass seitenweise innere Monologe gestörter Psychopathen die wirre Motivation für einen Serienmord wiedergeben.

Ein Heimspiel für Dominique Horwitz zum Debüt

Natürlich hat Dominque Horwitz sich für ein Heimspiel entschieden. Die Figur des Kutschers Kaminski erinnert an jenen verschrobenen Charakter, den der Schauspieler in zwei Weimarer Tatortfolgen gespielt hat. Für die Bewohner des Heimes für alternde Schauspieler dürfte er während seiner Engagements an hochklassigen deutschen Bühnen genügend Blaupausend begegnet sein. Und zu guter Letzt könnte die Wirtin der Wilhelm Meister Schänke seinem eigenen Leben entlehnt sein. Seit einigen Jahren ist er mit einer Café-Besitzerin in Weimar, seiner neuen Thüringer Heimat, verheiratet.

Ein Krimi? Eine großartige Liebeserklärung!

Vermutlich ist „Tod in Weimar“ ohnehin eine Liebeserklärung an seine Frau, zumindest liest es sich wie eine sehr großartige Liebeserklärung. Offen gestanden ist Horwitz’ Krimi  immer dann am stärksten, wenn er emotional wird. Der Autor benutzt hier die ganze Palette subtil-verborgen über verspielt bis schlagschattenhaft-deutlich. Insofern ist der Krimi „Tod in Weimar“ auch, aber keinesfalls nur, ein Liebesroman.

Schön vielschichtig: Tod in Weimar

Vermutlich gibt es Krimis, die raffiniertere Plots aufweisen und mit deutlich höherem Tempo  aufgeschrieben sind, aber „Tod in Weimar“ liest sich schön vielschichtig, ist also genau deshalb eine absolute lohnende Lektüre.

Kleine Kritik am Schluss: Anstrengende Klassiker-Zitate

Etwas zum Nörgeln gibt es natürlich auch. Mir als Nicht-Intellektuellen und Nicht-Feuilletonisten sind die ständigen Klassiker-Zitate einigermaßen auf die Nerven gegangen, auch wenn sie perfekt zum Setting nach Weimar und in die Schauspielerszene passen. Aber welcher Leser will sich schließlich ständig vor Augen führen  lassen, dass er wieder einen wichtigen Klassiker nicht ausreichend kennt. Aber der Schauspieler und Regisseur Horwitz ist natürlich entschuldigt, sein Kopf steckt vermutlich voll davon. Dass die ehemaligen Schauspieler reden als stünden sie auch beim Mittagstisch auf der Bühne, ist ebenfalls eher schräg, scheint – soweit meine spärlichen Kontakt in die Branche reichen – aber der Realität dieses eher exaltierten Berufstandes zu entsprechen.

Es wird in jedem Fall spannend zu sehen, was passiert, wenn er als Autor bei einer Fortsetzung, beziehungsweise einem weiteren Roman vertrautes Terrain verlässt.

Dominique Horwitz, Tod in Weimar, Knaus, 288 S., 19,99€, VÖ: 24. August 2015